TTIP zerstört alles wofür Europa je gekämpft hat!

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von Volker Hahn

Darum ist TTIP noch viel gefährlicher als gedacht

Wir haben uns fast schon daran gewöhnt, dass die Konzentration bei der Erzeugung oder im Handel mit Lebensmitteln immer stärker zunimmt und uns Verbrauchern nur noch eine eingeschränkte oder scheinbare Wahl lässt. Aber das gerade verhandelte Freihandelsabkommen TTIP macht uns zu Geiseln einiger weniger großer Konzerne!

Im Lebensmittelbereich beherrschen ganz wenige Großkonzerne den kompletten Weltmarkt und ähnliches gilt für den Agrarbereich mit Agrar-Multis wie Monsanto an der Spitze. Wir Verbraucher sind da ohnehin nur ein Spielball im Milliarden-Geschäft.

Um diese Perversion freier und nachhaltiger Produktions- und Lebensbedingungen vollends auf den Kopf zu stellen, haben die Profiteure dieses Schweinedeals jetzt mit TTIP den entscheidenden Hebel gesucht und gefunden, um gleich ganze Staaten in Geiselhaft zu nehmen.

TTIP ist deshalb nicht nur völlig überflüssig, sondern auch hoch gefährlich, wie nicht nur viele Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen pausenlos betonen, sondern jetzt auch Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz:

„Ich glaube, die Gefahren von TTIP werden in Deutschland nicht übertrieben, sie werden unterschätzt. Der Nutzen für den Handel wäre nicht wirklich groß, der Schaden für Verbraucherschutz und Demokratie aber schon.“ (1)

Wenn schon ein renommierter Ökonomie-Nobelpreisträger den echten Nutzen für den Handel als nicht wirklich groß bezeichnet, steht das für sich. Den Schaden für uns Verbraucher haben unzählige weitere unabhängige Organisationen auch bereits nachgewiesen.

Aber was hat es mit dem Schaden für die Demokratie auf sich?

Ist TTIP in Wahrheit gar kein Handelsabkommen, sondern eher der Versuch von multinationalen Konzernen, ganze Staaten auch in Europa unter ihre Fuchtel zu bekommen, damit sie endlich nicht nur in Ländern der Dritten Welt schalten und walten können, wie sie wollen?

Viel spricht genau dafür, geht es doch bei den geheimen (!) Verhandlungen um den Abbau von europäischen Regeln aus dem Schutz für Verbraucher, Arbeitnehmer und der Umwelt zugunsten amerikanischer Regeln. Es sollen schlicht und ergreifend die für US-Multis störenden so genannten nicht-tarifären Handelshemmnisse abgebaut werden, die es auch im Datenschutz oder in der Kennzeichnungspflicht gibt:

„US-Konzerne können dann europäische Staaten verklagen, wenn deren Gesetze ihre Gewinne schmälern. Die Urteile fällen keine Richter, sondern von den Konzernen selbst ausgewählte Wirtschaftsanwälte.“ (2)

Das kann nicht nur den Ruin für finanzschwächere Staaten bedeuten, das ist per se undemokratisch, wie das gesamte Verhandlungsverfahren, das ohne demokratische Kontrolle stattfindet!

Zugang zu den streng geheimen Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und dem US-Handelsministerium haben neben den ausgewählten Verhandlungsführern – welch Überraschung – Industrielobbyisten, deren Meinung offenbar aus gutem Grund sehr gefragt ist. Der pseudo-freie Handel erschlägt auf diese Weise die Demokratie!

Neben den mittlerweile allseits bekannten Chlorhühnchen könnte auf diese Weise so ganz Nebenbei noch jede Menge anderer Unrat auf unseren Tellern bzw. vor unserer Haustür landen, zum Beispiel sogar das hoch umstrittene Fracking. (3)

Es geht bei TTIP nicht um unser besseres Leben, sondern um Geld und Profit!

Die Profiteure sind wenige große Konzerne, vor allem aus den USA, die Dummen sind wir als Verbraucher und als Demokraten. Obwohl nach einer aktuellen Studie der London School of Economics für die mit TTIP möglichen Investorenklagen in Europa gar kein Bedarf besteht, wissen die Konzernlobbyisten sehr gut, warum sie dieses antidemokratische Instrument unbedingt an den Parlamenten unserer Staaten vorbei durchsetzen wollen:

„Da nur eine Seite klagen kann (der ausländische Investor) und Staaten nicht gewinnen, sondern nur nicht verlieren können, ist das System sehr einseitig.“ (4)

Während die Beteiligten Anwälte Millionen an Honoraren kassieren, würden Staaten Milliarden verlieren, weil sie sich nicht nur zu diesen Schiedsgerichtsverfahren durch TTIP verpflichten, sondern auch die möglichen „Entschädigungen“ für die Konzerne umzusetzen. Anders ausgedrückt: Mit TTIP unterschreibt die Bundesregierung unsere Enteignung zugunsten ausländischer Konzerne – und das im Namen der Freiheit! TTIP steht also offiziell für „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ – aber von Partnership kann so keine Rede sein.

Es ist die „Entmachtung des Rechtsstaats“. (5)

Statt einer Angleichung von Regulierungen oder der Vereinfachung von Verfahren mit dem Ziel von echter Partnerschaft, mehr Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz, einer Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen und mehr Arbeitsplätzen wird bei TTIP über den Ausverkauf der europäischen Interessen verhandelt – von den Vertretern der EU selbst!

Die Staaten der Europäischen Union würden wenigen US-Konzernen ausgeliefert, wir Verbraucher noch weiter für dumm verkauft, die Demokratie komplett ausgehebelt und der totalen Kontrolle von honorarsüchtigen US-Anwälten übergeben.

Solche Verhandlungen vor den TTIP-Schiedsgerichten wären im Übrigen – wen wundert das noch – nicht öffentlich, keiner Kontrolle unterworfen und ganz ohne eine Berufungsmöglichkeit. Das sind Geschäftsmodelle für Anwälte und Konzerne, aber keine rechtsstaatlichen Verfahren. (6)

Es wird Zeit, dass wir unsere Demokratie verteidigen. Nicht nur gegen islamistische Terroristen, sondern auch gegen alle anderen Feinde!

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