Chronologie eines verschwiegenen Politik-Skandals: „So bauten Nazis die Bundesrepublik auf!“

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von Guido Grandt

Der verschwiegene Politik-Skandal

Guido Grandt enthüllt: Die Bundesrepublik Deutschland wurde von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und anderen NS-Sympathisanten aufgebaut. Jahrzehntelang wurde verschwiegen – teilweise noch bis heute – dass nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch im Deutschen Bundestag ehemalige Nazis saßen. Sogar Bundesminister waren frühere Hitler-Anhänger! Chronologie eines unbequemen Politik-Skandals mit einer „Liste der Schande“…

Ein Fundament aus Hass

„Nie wieder Krieg von deutschem Boden, nie wieder Diktatur auf deutschem Boden!“ Das war das Credo deutscher Politik nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Absage an jedwede Form totalitärer Ideologien, Programme, Bewegungen und Parteien. Und das völlig zu Recht! Ein Drittes Reich mit all seinen Schrecken, den über 50 Millionen Kriegstoten und 6 Millionen ermordeten Juden durfte und darf es nie wieder geben!

Allerdings nahmen dieses Credo nach 1945 viele der politischen Verantwortlichen hierzulande wohl nicht zu ernst. Zumindest „ideologisch“ nicht. So weiß heute kaum mehr jemand, dass die Bundesrepublik Deutschland, die mit Inkrafttreten des deutschen Grundgesetzes am 23. Mai 1949 gegründet wurde, vor allem von ehemaligen Nazis aufgebaut wurde. Insbesondere im öffentlichen Dienst. Ehemals mehr oder weniger stramme Parteigenossen, die entweder in der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), ihren Unterorganisationen oder der SS, SA oder Gestapo saßen.

Noch weniger im kollektiven Gedächtnis verankert ist die Tatsache, dass sich sogar Bundesminister verschiedener Regierungen und Abgeordnete des Deutschen Bundestags ehemals in der Nazi-Partei tummelten und dennoch in hohe Ämter kamen. Das ist eigentlich ein Skandal erster Güte, der jedoch kaum mehr an die Öffentlichkeit dringt, sondern es lediglich in die Bücher von einigen wenigen Historikern schafft. Gleich gar nicht wird dies an heutigen Schulen gelehrt und gelernt.

Was für eine Schande, kann ich da nur sagen!

„Vorbildliche“ Auseinandersetzung der BRD mit dem NS-Unrechtregime?

Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Auseinandersetzung der Bundesrepublik Deutschland mit dem Nazi-Unrechtregime international vielfach als vorbildlich angesehen wird. Dabei war diese in ihren Anfängen alles andere als das, sondern oftmals genau das Gegenteil!

So gab es von Anfang an politische Anstrengungen – auf die ich noch genauer eingehen werde – die der „Säuberung“ der vier Alliierten-Mächte (USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich) teilweise zuwiderliefen. Mit einer „Entnazifizierung“ wollten die Alliierten die deutsche und österreichische Gesellschaft, Kultur, Presse, Ökonomie, Jurisdiktion und Politik von allen Einflüssen des Nationalsozialismus befreien. Und damit eine umfassende Demokratisierung und Entmilitarisierung des ehemaligen Dritten Reiches erreichen. Eines ihrer Hauptziele war die Auflösung der NSDAP und ihrer Unterorganisationen. Die NS-Ideologie sollte mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden.

Doch es gab prominente Politiker, die das wohl anders sahen. Aber auch darüber spricht heute kaum noch jemand.

CDU-Galionsfigur Adenauer protegierte hohen Nazi

Wissen Sie, wer Konrad Adenauer war? Natürlich, werden Sie jetzt antworten: Er war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949-1963), zugleich erster Bundesminister des Auswärtigen (1951-1955) und einer der Begründer der CDU. Eine absolut integere Persönlichkeit, die neben Theodor Heuss, Kurt Schumacher und dem Parlamentarischen Rat zu den Gründervätern unserer Republik gehörte.

Soweit so gut also. Und soweit auch richtig. Allerdings gibt es dazu noch Anmerkungen, die Sie in (fast) keinem Geschichtsbuch lesen werden. Und zwar diese:

Anfangs der 1950er-Jahre wurde durch einen Untersuchungsausschuss unter der Federführung des SPD-Parlamentariers Carlo Schmid bekannt, dass 55 der 96 neuen Diplomaten des Bonner Auswärtigen Amtes (das damals „Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt“ hieß) Mitglied der NSDAP waren!

Im Bundestag wehrte sich CDU-Bundeskanzler Adenauer mit seinem überlieferten Satz gegen diese Vorwürfe: „Ich bin doch bei Gott nicht der Mann, der darauf ausgeht, frühere Parteigenossen in maßgebende Stellungen zu bringen.“ Und doch war und tat er es – zumindest bei einem sehr gewichtigen ehemaligen Nationalsozialisten: Hans Globke, Kommentator der berüchtigten Nürnberger Rassegesetze mit Vergangenheit in Hitlers Reichsinnenministerium. Ausgerechnet ihn machte Adenauer nicht nur zu seinem engsten Vertrauten, sondern auch zum Chef des Kanzleramtes. So wurde Globke als rechte Hand Adenauers für viele Jahre einer der mächtigsten Männer der jungen Republik.

Die schändliche Vergangenheit von Adenauers „rechter Hand“

Es lohnt sich einen tieferen Blick auf Hans Globke zu werfen. Denn dies macht das System des Protegierens ehemaliger Nazis in die Bundespolitik deutlich.

Globke (geb. 1898) arbeitete in Hitlers Reichsministerium. Er galt als zentrale Auskunftsperson für Fragen zu den 1935 erlassenen „Nürnberger Rassegesetzen“. Und da insbesondere zum sogenannten „Blutschutzgesetz“, das sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verbot. Ebenso zum „Reichsbürgergesetz“, das die Staatsangehörigkeit nach rassistischen Kriterien differenzierte.

1936 kommentierte Globke die Rassengesetzgebung (hinsichtlich Ariern und Juden) zusammen mit dem SS-Obergruppenführer Wilhelm Stuckart u.a. so: „Unter Geschlechtsverkehr ist zwar nicht nur der Beischlaf, das heißt die natürliche Vereinigung der Geschlechtsteile zu verstehen, sondern auch beischlafähnliche Handlungen, z.B. gegenseitige Onanie. Im Hinblick auf den Zweck des Verbots, mischrassige Nachkommenschaft zu verhüten, verbietet sich aber jede hierüber hinausgehende Auslegung des Begriffs Geschlechtsverkehr; sonstige Handlungen erotischer Art, z.B. Küsse, Umarmungen, unzüchtige Berührungen, fallen nicht unter das Verbot.“

In dem Kommentar zu den Rassegesetzen wurde außerdem das Zusammengehörigkeitsgefühl des „rassisch homogenen deutschen Volkes“ propagiert und alle Personen „fremden Blutes“, vor allem Juden, als rassisch minderwertig diskriminiert. Später wird ihm neben der Mitverantwortung für die Nürnberger Rassegesetze vorgeworfen, den „J“-Stempel in Reisepässen eingeführt zu haben, der Juden den Fluchtweg in die Schweiz versperrte. Natürlich wehrte sich der der NS-Mann dagegen: Er hätte versucht, Hitlers geforderte Maßnahmen zu „mildern“. Ebenso erklärt er Kontakte zum Widerstand gehabt zu haben.

Noch einmal: Ein Alt-Nazi, der solche rassistischen und antisemitischen Kommentare von sich gab, wurde später von CDU-Ikone Konrad Adenauer zum Chef des Kanzleramts gemacht! Dass aufgrund dieser schändlichen Umstände die CDU noch heute an der parteinahen Konrad Adenauer Stiftung festhält, erscheint mir angesichts der schrecklichen NS-Verbrechen mehr als fraglich!

Anmerkung: Der „Korpsgeist“ im Auswärtigen Amt verhinderte Jahrzehnte lang die Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit. 2010 kam eine unabhängige Historikerkommission zu dem Ergebnis, dass das AA im Dritten Reich nicht etwa, wie oft behauptet, ein „Hort des Widerstands“ gegen Hitler war, sondern selbst tief in den Holocaust verstrickt war. Und auch im Auswärtigen Amt der späteren Bundesrepublik wurden schützende Hände über ehemalige Kriegsverbrecher in den eigenen Reihen gehalten.

So „rehabilitierten“ die deutschen Nachkriegs-Politiker NS-Verbrecher

Es wurden noch weitere politische Entscheidungen getroffen, um NS-belastete Personen und Mitläufer wieder in den öffentlichen Dienst zu bringen. Ebenso, um eine Strafminderung oder gar Rehabilitation von NS-Verbrechern zu ermöglichen. Dazu heißt es in einer Anfrage der Linken-Fraktion von 2011: „Die personelle und in Teilen auch inhaltliche Kontinuität, etwa im Beamtenapparat, in einzelnen Bundesministerien, in Polizeien, Geheimdiensten, der Bundeswehr und dem Justizapparat haben schwer- wiegende Folgen für das politische Klima dieser Phase gehabt.“

Für wahr: Als im Herbst 1949 der Deutsche Bundestag die Arbeit aufnahm bemühte man sich in allen Fraktionen, die politische NS-Säuberung, die die Alliierten seit 1945 vorantrieben, entweder zu beenden oder gar rückgängig zu machen. Dazu gehörten parlamentarische Initiativen, Gesetzgebungswerke und administrative Entscheidungen.

Schon bald beschloss der Deutsche Bundestag zwei Amnestiegesetze, die vor allem NS-Tätern zugutekamen. Zum einen handelte es sich hierbei um das erste Straffreiheitsgesetz vom 31. Dezember 1949 und das zweite Straffreiheitsgesetz vom 17. Juli 1954. Von der Amnestie ausgenommen waren Täter, die aus Grausamkeit, ehrloser Gesinnung oder aus Gewinnsucht gehandelt hatten sowie Tötungs- und Raubdelikte. So wurden beim ersten Straffreiheitsgesetz 792 176 Personen amnestiert. Vom zweiten Straffreiheitsgesetz profitierten rund 400.000 Personen.

Auf diesem Weg kamen also insgesamt fast 1,2 Millionen ehemalige Nazis wieder auf freiem Fuß.

Ehemalige Nazis bauen den öffentlichen Dienst in der BRD auf

Der öffentliche Dienst in der BRD wurde mit Beamten aufgebaut, die einen hohen Anteil an früheren Angehörigen der NS-Behörden aufwies. Vor allem von solchen in der NSDAP und ihren Unterorganisationen. Und das, obwohl es beim Bundesministerium für den Marshallplan (das spätere Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) noch hieß: „Um zu vermeiden, dass im Widerspruch zu § 26 Absatz 3 des Deutschen Beamtengesetzes Personen eingestellt werden, die nicht die Gewähr dafür bieten, dass sie sich durch ihr gesamtes Verhalten zur demokratischen Staatsauffassung bekennen, werden in meinem Ministerium die eingereichten Lebensläufe sorgfältig geprüft. Bei Besetzung besonders wichtiger Stellen wird in Zweifelsfällen das Bundesamt für Verfassungsschutz um Auskunft gebeten.“

Doch die Realität sah anders aus: Gerechtfertigt wurden die ehemaligen NSDAP-Beamten im öffentlichen Dienst damit, dass Sie „Verwaltungserfahrung“ besitzen würden. Die Bundesregierung erklärte noch 2011, die Forschung hätte am Beispiel der Kommunalverwaltung gezeigt, dass die „alleinige Tatsache der Parteimitgliedschaft für das Verhalten von Beamten in der NS-Diktatur wenig Aussagekraft hat – abgesehen davon, dass es bereits einen erheblichen Unterschied macht, zu welchem Zeitpunkt jemand in die NSDAP eintrat.“ Und an anderer Stelle: „Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass eine bloße Mitgliedschaft in der NSDAP noch keine sicheren Rückschlüsse auf eine tiefere nationalsozialistische Grundeinstellung zulässt.“

Stellen Sie sich das einmal vor. Wenn heute eine Person nur ein Flugblatt aus der rechten Szene besitzt, gilt er gleich als ihr Gesinnungsbruder. Aber eine ehemalige NSDAP-Mitgliedschaft von Beamten im öffentlichen Dienst soll noch keinen Rückschluss auf eine „tiefere nationalsozialistische Grundeinstellung“ zulassen? Bin ich denn im falschen Film?

Doch wie viele Hitler-Sympathisanten waren nun wirklich im öffentlichen Dienst der BRD beschäftigt? Erklärte doch einst die Bundesregierung so vollmundig, dass die „nationalsozialistische Gewaltherrschaft generell die am besten erforschte Periode des 20. Jahrhunderts“ sei. Beim Nachfolgepersonal in den eigenen Reihen scheint diese „besterforschte“ Periode jedoch große Lücken aufzuweisen. Denn eine „quantitative Angabe über den Anteil von NS-belasteten Personen“ im öffentlichen Dienst sei nicht möglich, heißt es von der Regierung plötzlich. Alleine für eine dahingehende Annäherung wären „intensive mehrjährige Forschungsarbeiten“ erforderlich. Außerdem würden die noch zu ermittelnden Personalakten nur einen Bruchteil einer quantitativen Auswertung abdecken. Andere seien nach Abschluss der Versorgungsfälle und Ende der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist „vernichtet“ worden. Außerdem wäre die NS-Überprüfung einzelner Akten sehr zeitaufwendig und würden nach Erfahrungen des Bundesarchivs durchschnittlich 30 bis 60 Minuten dauern.

Finden Sie da noch Worte? Ich nicht!

Per Gesetz kommen ehemalige NS-Sympathisanten wieder ins Amt

Zahlen über ehemalige Nazis, die in der jungen Bundesrepublik wieder in die Ämter kamen, gibt es jedoch in anderer Hinsicht: Im Mai 1951 wurde das „Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 de Grundgesetzes fallenden Personen“ mit Zustimmung aller Parteien vom Bundestag beschlossen. Durch dieses sogenannte „131er-Gesetz“ konnten alle öffentlichen Bediensteten, die beim Entnazifizierungsverfahren nicht als Hauptschuldige oder Belastete eingestuft worden waren, wieder eingestellt werden.

Zu diesen Staatsdienern gehörten ehemalige Beamte, Hochschullehrer und Richter aus den Vertreibungsgebieten, Beamte in nicht mehr existierenden Verwaltungen und Berufssoldaten sowie alle die, die wegen ihrer Betätigung im Dritten Reich nach dessen Ende aus dem Beamtenverhältnis „entfernt“ worden waren. Auch Angestellte und Arbeiter. Sämtliche Verwaltungen wurden verpflichtet, mindestens 20 Prozent der Planstellen mit 131ern zu besetzen.

Noch einmal: Es handelte sich dabei um Personen, die einst wegen ihrer Nähe und Betätigung zu Hitler-Deutschland ihrer Ämter enthoben wurden.

Behörde Beamtenplanstellen (Soll) davon gemäß §13 G 131 besetzt (Zahl) Anteil Besetzungen gemäß § 13 G 131 (%)
Bundespräsidialamt 20 11 55,0

 

Deutscher Bundestag 209 56 26,8

 

Bundesrat 30 11 36,7

 

Bundeskanzler und Bundeskanzleramt
a) Bundeskanzlei und Bundeskanzler 67 19 28,3
b) Presse- und Informationsamt 31 18 58,1
c) Bundesministerium für Verteidigung11 124 96 77,4
Bundesminister des Innern
a) Ministerium 427 185 43,3
b) nachgeordnete Behörden 970 369 38,0
c) Bundesgrenzschutz 19 973 666 3,3

 

Bundesjustizministerium 1 132 548 48,4

 

Bundesministerium der Finanzen

 

34 447 10 897 31,5
Bundesminister für Wirtschaft
a) Ministerium 495 338 68,3
b) Physikalisch-technische Bundesanstalt 142 55 38,7
c) Bundesaufsichtsamt für die Versicherungs- und Bausparwesen 100 83 83,0
d) Bundesstelle für den Warenverkehr – Verwaltung 67 40 59,7
e) Bundesstelle für Außenhandels-Information 12 6 50,0
f) Bundesanstalt für mechanische und chemische Materialprüfung

 

60 15 25,0
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

 

457 182 39,8
Bundesminister für Arbeit

 

356 126 35,4
Bundesminister für Verkehr

 

2 859 1 157 40,5
Bundesverfassungsgericht

 

56 11 19,6
Bundesrechnungshof

 

307 182 59,3
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit

 

47 26 55,3
Bundesminister für Wohnungsbau

 

98 63 64,3
Bundesminister für Vertriebene

 

69 49 71,0
Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen

 

79 52 65,8
Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrats

 

14 10 71,4
Gemeinsames Büro der Bundesminister für besondere Aufgaben 13 6 46,2
——————————

Summe

 

64 387

 

15 669

 

24,3

 

Deutsche Bundespost

 

171 762

 

36 968

 

21,5

Deutsche Bundesbahn 225 534 35 207 15,6

 

Zusammengefasst (Zahlen gerundet): 55 % der Beamten aus dem Bundespräsidialamt, 27 % des Deutschen Bundestages, 37 % des Bundesrates, 28 % der Bundeskanzlei, 77 % des Bundesverteidigungsministeriums, 48 % des Bundesjustizministeriums, 32 % des Bundesfinanzministeriums, 68 % des Bundeswirtschaftsministeriums, 40 % des Bundeslandwirtschaftsministeriums, 35 % des Bundesarbeitsministeriums, 41 % des Bundesverkehrsministeriums, 60 % des Bundesrechnungshofes etc. waren ehemalige „NS-Belastete“. Aufgrund des 131er-Gesetzes wurden sie wieder in die Ämter gehievt!

Wenn das kein Skandal ist, dann weiß ich auch nicht mehr!

Hinzu kommt, dass nach 1949 an deutschen Bundesgerichten (einschließlich der Bundesstaatsanwaltschaft) 203 „NS-belastete“ Personen tätig waren. Allerdings können strafgerichtliche Verfahren gegen Angestellte, Beamte und Mitarbeiter des Bundes aufgrund möglicher NS-Vergangenheit nicht mehr festgestellt werden. Dies, so die Bundesregierung, könne nur auf der Grundlage von Einzelauswertungen der Verfahrensakten und der Personalakten erbracht werden. Aber das sei ihr nicht möglich.

Dennoch habe ich ein paar Zahlen zusammengetragen, die aber nur einen Bruchteil der oben genannten Verfahren betreffen: Bis 2005 wurden 36.393 Ermittlungsverfahren durchgeführt, 16.740 Anklagen erhoben und 6.656 Verurteilungen erwirkt.

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Ehemalige NSDAP-Mitglieder als Abgeordnete im Deutschen Bundestag

Hinsichtlich der „besterforschten Periode des 20. Jahrhunderts“ wird es noch skandalöser. Vor allem, wenn es um NS-Mitglieder aus den eigenen Politikreihen geht. So kann die Bundesregierung auch nicht mitteilen, in welchen Ministerien ab 1949 besonders viele Personen mit NS-Belastungen beschäftigt waren. Ebenso wenig über die Anzahl der NS-belasteten Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Landtage.

Nein, das ist kein Witz, sondern bittere Realität!

Nachfolgend und beispielhaft präsentiere ich eine Auflistung ehemaliger NSDAP-Mitglieder mit bundespolitischen Ämtern in der FDP. Nicht angegeben sind darin ehemalige Nazis, die in FDP-Landesparlamenten oder später im Europaparlament tätig waren:

Ernst Aschenbach, Mitglied in der NSDAP 1937–1945,
1957–1976 Mitglied im Bundestag
Joachim Angermeyer, Mitglied in der NSDAP 1941–1945,
1976–1980 Mitglied im Bundestag
Albrecht Aschoff, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1961–1965 Mitglied im Bundestag
Hermann Berg, Mitglied in der NSDAP 1937–1945,
1955–1957 Mitglied im Bundestag
Ewald Bucher, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1962–1965 Bundesminister der Justiz, 1965–1966 Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau
Richard Burckardt, Mitglied in der NSDAP 1940–1945,
1961–1965 Mitglied im Bundestag
Rolf Dahlgrün, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1962–1966 Bundesminister der Finanzen
Robert Dannemann, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1945–1955 Mitglied im Bundestag
Hermann Dürr, Mitglied in der NSDAP 1943–1945,
1957–1965 Mitglied im Bundestag
Josef Effertz, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1961–1968 Mitglied im Bundestag
Otto Eisenmann, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1957–1965 Mitglied im Bundestag
Josef Ertl, Mitglied in der NSDAP 1943–1945,
1961–1987 Mitglied im Bundestag, 1969–1983 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten
Margarete Hütter, Mitglied in der NSDAP 1943–1945,
1943–1953 und 1955–1957 Mitglied im Bundestag
Otto Köhler, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1957–1960 Mitglied im Bundestag
Martin Reichmann, Mitglied in der NSDAP 1932–1945,
1961–1969 Mitglied im Bundestag
Hermann Saam, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
Mitglied im Bundestag 1965–1969
Walter Scheel, Mitglied in der NSDAP 1941–1945,
1961–1966 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, 1969–1974 Bundesminister des Auswärtigen, 1974–1979 Bundespräsident
Hermann Schwann, Mitglied in der NSDAP 1933–1945,
1953–1957 Mitglied im Bundestag
Artur Stegner, Mitglied in der NSDAP 1931–1945,
1949–1957 Mitglied im Bundestag
Willi Weyer, Mitglied in der NSDAP 1937–1945,
1953–1954 Mitglied im Bundestag
Siegfried Zoglmann, Mitglied in der NSDAP 1934–1945,
1957–1970 Mitglied im Bundestag

„Liste der Schande“: Ehemalige NSDAP- und SA-Mitglieder als Bundesminister

Hinsichtlich von Bundesministern, die ehemals NSDAP- oder SA-Mitglieder waren, gibt die Bundesregierung – welch ein Wunder – breitwillig Auskunft.

Lesen Sie die nachfolgende „Liste der Schande“ aufmerksam durch und Sie werden große Augen bekommen. Die etwas bekannteren Persönlichkeiten habe ich „gefettet“.

Name Ressort Mitgliedschaften im Sinne der Fragestellung

 

Ewald Bucher 19.7.1914 – 31.10.1991 Justiz Wohnungswesen und Städtebau

 

NSDAP seit 1.5.1937, SA
Rolf Dahlgrün 19.5.1908 – 19.12.1969

 

Finanzen NSDAP seit 1.5.1933
Horst Ehmke geb. 4.2.1927 Justiz Bundeskanzleramt Forschung und Technologie, Post- und Fernmeldewesen

 

NSDAP seit 20.4.1944
Herbert Ehrenberg geb. 21.12.1926

 

Arbeit und Sozialordnung vermutl. NSDAP seit 20.4.1944
Erhard Eppler geb. 9.12.1926 Wirtschaftliche Zusammenarbeit NSDAP seit 1944

 

Franz Etzel 12.8.1902 – 9.5.1970 Finanzen

 

NSDAP, Austritt 1927
Hans-Dietrich Genscher geb. 21.3.1927

 

Innen Auswärtiges Amt NSDAP 1945
Hermann Höcherl 31.3.1912 – 18.5.1989 Innen Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

 

NSDAP 1931–1932 und seit 1935
Richard Jaeger 16.2.1913 – 15.5.1998

 

Justiz SA seit 1933
Kurt-Georg Kiesinger 6.4.1904 – 9.3.1988

 

Bundeskanzler NSDAP seit 1.5.1933
Waldemar Kraft 19.2.1898 – 12.7.1977

 

Besondere Aufgaben NSDAP seit 1.5.1943; SS seit 13.11.1939
Hans Krüger 6.7.1902 – 3.11.1971 Vertriebene, Flüchtlingen und Kriegsgeschädigte

 

NSDAP seit 1.5.1933
Lauritz Lauritzen 10.1.1910 – 5.6. 1980 Wohnungswesen und Städtebau Verkehr, Post und Fernmeldewesen Verkehr

 

SA seit 1.4.1934
Hans Lenz 12.7.1907 – 28.8.1968 Bundesschatzminister Wissenschaftliche Forschung

 

NSDAP seit 1.5.1933
Hans Leussink geb. 2.2.1912 – 16.2.2008

 

Bildung und Wissenschaft NSDAP seit 1.5.1937
Theodor Oberländer 1.5.1905 – 4.5.1998 Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte

 

NSDAP seit 1.5.1933; SA-Obersturmführer seit 1.7.1938
Alois Niederalt 10.4.1911 – 16.7.2004 Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder

 

NSDAP seit 1.5.1937
Victor-Emmanuel Preusker 25.2.1913 – 13.5.1991 Wohnungsbau NSDAP seit 1.5.1937; SS Mai – Juli 1933 und ab 1.2.1934; SA 1933

 

Walter Scheel geb. 8.7.1919 Wirtschaftliche Zusammenarbeit Auswärtiges Amt

 

NSDAP seit 1941 oder 1942
Karl Schiller 24.4.1911 – 26.12.1994 Wirtschaft und Finanzen

 

NSDAP seit 1.5.1937; SA Juli 1933 – 1938

 

Kurt Schmücker 10.11.1919 – 6.1.1996

 

Wirtschaft Bundesschatzminister NSDAP seit 1.9.1937
Oscar Schneider geb. 3.6.1927 Raumordnung, Bauwesen und Städtebau

 

NSDAP seit 20.4.1944
Gerhard Schröder 11.9.1910 – 31.12.1989 Innen Auswärtiges Amt Verteidigung

 

NSDAP 1.5.1933 – 1.9.1943 (Austritt)
Heinz Starke geb. 27.2.1911 – 31.1.2001

 

Finanzen NSDAP
Richard Stücklen 20.8.1916 – 2.5.2002

 

Post- und Fernmeldewesen NSDAP
Friedrich Zimmermann 18.7.1925 Innen Verkehr NSDAP seit 1943

 

 

Nun also wissen Sie, wer die junge BRD tatsächlich mit aufgebaut hat: Ehemalige Nazis im öffentlichen Dienst und in der Politik (Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat etc.).

Sagt Ihnen das heutzutage irgendein Parteipolitiker? Irgendein Minister? Irgendein Vertreter der Bundesregierung? Natürlich nicht! Denn zu groß ist die Angst vor der braunen Vergangenheit in den eigenen Reihen.

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http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-auswaertiges-amt-100.html

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http://www.mdr.de/zeitreise/der-fall-globke100.html

http://www.lto.de/recht/feuilleton/f/hans-globke-rechtsgeschichte-nuernberger-rassengesetze-kommentar/2/

https://www.hdg.de/lemo/biografie/hans-globke.html

http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-auswaertiges-amt-100.html

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/081/1708134.pdf

Norbert Frei, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland und die NS-Vergangenheit, München 1996, S. 13

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/081/1708134.pdf

Bundesministerium für den Marshallplan, 12. July 1951

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/081/1708134.pdf

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Andreas Eichmüller, Die Strafverfolgung von NS-Verbrechen durch westdeutsche Justizbehörden seit 1945, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 56 (2008) S. 621 ff. (auf der Grundlage einer beim Institut für Zeitgeschichte geführten Datenbank)

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/081/1708134.pdf
Deutscher Bundestag (17. Wahlperiode, Drucksache 17/8134 v. 14.12.2011, S. 13+14)
Deutscher Bundestag (17. Wahlperiode, Drucksache 17/8134 v. 14.12.2011, S. 28)

http://bit.ly/2bx1ptp