Drogen für unsere Kinder – Die Ritalinpäpste

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von Robert Sasse

Was hat die Arznei-Preisbremse mit ADHS-Diagnosen zu tun und das alles mit der Pharmaindustrie zu tun? Die Pharmaindustrie hat jetzt einen perfiden Weg gefunden, noch mehr Gewinne einzustreichen: Sie will unsere Kinder mit Drogen vollpumpen.

Jeder kennt das es oder hat zumindest schon einmal davon gehört: AD(H)S. Die Abkürzung steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es ist eine Krankheit, die schon zum Teil schon im frühen Kindesalter diagnostiziert wird. Jetzt sind dramatische neue Zahlen aufgetaucht.

Dem Spiegel zufolge ist im Zeitraum von 2006-2014 der Anteil an Kindern, bei denen ADHS diagnostiziert wurde um satte 1,9 Prozent von 2,5 auf 4,4 Prozent gestiegen.

„Mehr ADHS-Diagnosen, aber weniger ADHS-Medikamente“ (1)

Laut dem Statistischen Bundesamt liegt der Anteil von von 3-17 Jährigen (dort wo ADHS üblicherweise diagnostiziert wird) in Deutschland im Jahr 2016 bei 10,8 Millionen Menschen. (2) Das würde bedeuten, dass sich der Anteil der Diagnosen von 270.000 auf rund 475.200 erhöht hat.

„Einige Ärzte sind aufgrund ihrer grosszügigen Verschreibungspraxis als “Ritalinpäpste” bekannt. Die Verschreibungshäufigkeit in ihren Praxen hat ungeahnte Höhen erreicht. So verschreiben zwei Kinderärzte in einer Doppelpraxis in Süddeutschland einem Viertel (!) ihrer jungen Patienten Ritalin.“ (3)

Man sollte meinen, eine solcherlei verbreitete Krankheit habe feste Kriterien anhand derer sie diagnostiziert wird. Es gibt jedoch bis heute, Jahrzehnte nachdem verschiedene Mittel gegen ADHS ausprobiert und verschrieben wurden, kein allgemein anerkanntes Diagnoseverfahren für die Krankheit. (4) Es wird demnach ohne große Sorge oder Hinterfragen über die eigentlichen Umstände ADHS diagnostiziert und Ritalin verschrieben.

Doch woher kommt diese signifikant gestiegene Anzahl bei den Jugendlichen?

Werfen wir doch einmal einen Blick in die Zukunft:

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge muss sich die Pharamindustrie demnächst auf eine weitere Preisbremse einstellen. „In Deutschland dürfen Unternehmen im ersten Jahr nach der Markteinführung beliebig viel für ein neues Medikament verlangen. Nach einem Jahr gilt dann ein bis dahin mit den Kassen ausgehandelter Preis.“ In Zukunft soll wohl auch für das erste Jahr nach der Markteinführung eine Höchstgrenze für die Einnahmen eingeführt werden. Vize-Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Norbert Gerbsch hält das für ein „schwieriges Signal“. (5)

Die Preisbremse löst Panikreaktion bei Pharmaindustrie aus

Die Pharmaindustrie verlangt zum Teil horrende Preise für ihre Medikamente. Prominentes Beispiel dafür ist der Ex-Chef der Firma Turing Pharmaceuticals Martin Shkreli. Dessen Firma hob den Preis eines uralten Medikaments um astronomische 5000 Prozent auf 750 US Dollar pro Pille an. (6)

Nun drohen der Pharmaindustrie durch die Preisbremse ernsthafte Gewinneinbußen.

Weniger Ritalin verkauft

Auch bei Methylphenidat sieht es jüngst deutlich weniger rosig aus als zuvor. Apotheken haben im Zeitraum von 2012 -2014 ca. 6,7 Prozent weniger von dem Mittel Methylphenidat – landläufig besser bekannt unter dem Namen Ritalin – gekauft. Und die Apotheken damit weniger Ritalin den Endverbraucher. Ein Grund dafür ist, dass das Mittel nur noch von Spezialisten verabreicht werden darf. (7)

Es liegt somit die Schlussfolgerung nahe: Wenn die Politik die Einnahmen durch neue Medikamente beschränken will und nur noch weniger Ritalin ausgegeben werden darf, dann müssen halt mehr ADHS Diagnosen her, um die schwarzen Zahlen wieder in akzeptable Höhen zu bringen. Und mehr Diagnosen von ADHS hat ohne Zweifel gegeben: Seitdem die Droge auf dem Markt ist, hat sich die Menge an Verschreibungen weit mehr als vertausendfacht.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Man pumpt unsere Kinder mit Drogen voll, um die Gewinne hoch zu halten.

Ritalin – Wie genau funktioniert es?

Was die wenigsten dabei wissen: Ritalin ist keinesfalls ungefährlich, nur weil es legal ist. Das Mittel, welches in die Gruppe der Amphetamine gehört, wirkt stark aufputschend und unterdrückt Müdigkeit und Erschöpfung und steigert die Konzentration. Dabei macht es auch stark süchtig und ohne Ritalin sind Empfindungen deutlich „abgeschwächter“. Es ist daher in seiner Wirkung durchaus vergleichbar mit Kokain.(8) Auch unter Studenten und anderen Erwachsenen mit stressigen Jobs ist Ritalin verbreitet, um in Lernphasen oder schwierigen Projekten die Konzentration zu wahren.

Ritalin vermindert schließlich bei Kindern, die wirklich ADHS haben lediglich die Symptome und heilt sie nicht etwa. Das heißt, man bleibt im Zweifelsfall ein Leben lang auf der Droge hängen.

Des Weiteren gibt es einen ganzen Katalog von Nebenwirkungen. Diese reichen von noch recht harmlosen Dingen wie etwa Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Übelkeit, Schlafstörungen, übermäßiges Schwitzen zum Teil krassen Nebenwirkungen wie verschwommenes Sehen oder akustische und visuelle Halluzinationen oder Manien und beginnenden Psychosen.

Dabei handelt es sich nicht um zu unterschätzende Zahlen. Laut einer kanadischen Studie haben sechs von 98 einer Ritalin-Behandlung unterzogenen Kindern innerhalb von 21 Monaten eine Psychose entwickelt. (9)

Die langfristigen Folgen von Ritalin sind noch lange nicht in vollem Maße ersichtlich. Die (hoffentlich) beruhigende Wirkung der Droge löst ja eben nicht die Ursache des Problems, sondern lindert nur die Symptome. Die Kinder werden quasi chemisch fügsam gemacht. (10) Wenn die Droge dann schließlich abgesetzt wird, muss sich der Patient jedoch wieder mit den oft wiederkehrenden Symptomen der Krankheit beschäftigen und neuerlich versuchen, sich in seinem Umfeld souverän zu bewegen. Oft wird sogar davon gesprochen, dass die Droge  die Psyche der Patienten langfristig völlig zerstört.

Die eigentlichen Ursachen der Krankheit liegen nach wie vor im Dunkeln. Was früher als eine Störung der Hirntätigkeit angesehen wurde, wird heute munter der Ernährung, den neuen Medien oder Computerspielen zugeschrieben. Aber Einigkeit besteht nur darüber, dass man sich uneinig ist, woher die Krankheit letztendlich stammt.

So ungeheuerlich dieses Gesamtbild über die Verschreibungspraxis schließlich auch klingt, so real ist sie und wird sie jeden Tag in Deutschland zelebriert. Einer profitiert jedoch ganz besonders davon: Novartis, der Pharmakonzern, der die Droge ursprünglich entwickelte.

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(1): http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/adhs-immer-mehr-kinder-bekommen-die-diagnose-a-1107713.html

(2): https://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2016&a=3,18&g

(3): http://www.adhs-schweiz.ch/Bilder/ritalin_die_verkannte_gefahr.pdf

(4): http://www.adhs-schweiz.ch/Bilder/ritalin_die_verkannte_gefahr.pdf

(5): http://de.reuters.com/article/deutschland-gesundheit-arzneimittel-idDEKCN0X81FT

(6): http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/martin-shkreli-ex-pharma-manager-schweigt-den-kongress-an-a-1075775.html

(7) http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/adhs-immer-mehr-kinder-bekommen-die-diagnose-a-1107713.html

(8): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10403500?dopt=Abstract

(9) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10566114

(10) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10566114