Killer-Moskitos in Deutschland? Der Traum eines Biotech-Giganten!

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von Norbert Zerr

Diese Schlagzeile hört sich an, als ob es sich dabei um einen Apokalypse-Streifen aus Hollywood handeln könnte. Dem ist allerdings nicht so.

Der britische Insektenkonzern Oxitec hat die Genehmigung zum weltweiten Einsatz ihrer genmanipulierten Moskitos. Das bedeutet, dass der Konzern auch in Deutschland Killermoskitos aussetzen darf, angeblich um uns vor dem Dengue-Fieber und dem Zirka-Virus aus Brasilien zu schützen. Es liegt deshalb nahe, dass man bei uns auch unter dem Vorwand, uns vor der gefährlichen Virusplage zu schützen, Killermoskitos aussetzt.

Allerdings ist der Einsatz dieser Genmoskitos zweifelhaft, nicht unter Kontrolle und birgt erhebliche Gefahren in sich. Was sind nun die Hintergründe und was steckt dahinter?

Laut einer jüngsten Mitteilung wird das Oxitec Projekt, bei dem durch Gentechnik Insekten die für die Viren zur Ausbreitung des Dengue-Fiebers und das Zika-Virus verantwortlich sind unschädlich gemacht werden sollen. Die Zweifel die sich dabei ergeben scheinen berechtigt zu sein.

Viele offene Fragen, wie: Hat man die Killermoskitos tatsächlich unter Kontrolle? Stellt sich der Erfolg, der damit erzielt werden soll überhaupt ein, oder werden dadurch erst recht unbekannte Erreger aktiv? Diese und weitere Zweifel sind im Rahmen des Experiments von Oxitec laut der Berichterstattung dazu nicht eindeutig ausgeräumt. Demnach wird die Zielgruppe der Moskitos durch die Gentechnik zwar an der Fortpflanzung gehindert, aber der dadurch erhoffte Erfolg stellt sich trotzdem nicht so richtig ein.

Kein Wunder, dass deshalb schnell Proteste aus der Bevölkerung laut geworden sind, da man nicht zu einem schwammigen Versuchslabor umfunktioniert werden will. Erst wurde in Brasilien experimentiert, nun ist Florida dran. Die Proteste, die dort deswegen aufgekommen sind, blieben bislang ungehört.

Scharfe Kritik am Moskito-Konzern

Das gen-ethische Netzwerk übt scharfe Kritik am Moskito-Konzern Oxitec. Mit dem Experiment oder dem erhofften Forschungsziel, soll die Fortpflanzung der Virenüberträger eingedämmt werden.

Dass kommerzielle Interessen hinter dem Experiment stehen, ist eine logische Abfolge. Dabei sollte möglichst wenig Zeit verloren werden. Wie spart man Zeit und Geld? Indem man Vorgaben umgeht, nicht befolgt oder nur die Vorteile in den Vordergrund rückt. Demnach hält sich Oxitec nicht wie vorgesehen an gesetzliche Vorgaben.

Vielmehr wird stark kritisiert, dass es im Vorfeld der Experimente in Brasilien und auch den Kaimaninseln laut dem gen-ethischen Netzwerk keine öffentlich zugängliche Risikobewertung gab und demzufolge auch kein öffentlicher Begutachtungs- bzw. Konsultationsprozess stattgefunden hat.

Die in Großbritannien vorgeschriebene Risikobewertung für den Auslandsexport- und -einsatz von GV-Moskitos wurde zwar von dem dafür verantwortlichen Konzern Oxitec den Behörden vorgelegt. Allerdings erfolgt keine unabhängige Prüfung und es ist nicht bekannt, ob diese Risikobewertung überhaupt den europäischen Standards entspricht.

Weiter wird dort dem Konzern vorgeworfen, dass wie schon kurz angerissen die Transparenz hinsichtlich der Risikobewertung zu wünschen übrig lässt. Außerdem sei die Methode von Oxitec nicht alternativlos. Nach diesen Ausführungen muss noch ein weiterer Aspekt, der ebenfalls von großer Bedeutung sein könnte, berücksichtigt werden. Es ist ein Gesichtspunkt, der meist auf wenig Gegenliebe der Verantwortlichen stößt: Wer wird haftbar für die Spätfolgen und die Aussetzung der Gen-Moskitos gemacht?Diese Frage bleibt unbeantwortet, weil sie vermutlich niemand beantworten möchte!

Es wurde also ein Experiment gestartet, das weder rechtlich noch hinsichtlich des Erfolges und weiterer Alternativen geprüft wurde.(2)

Unbedenklichkeitsbescheinigung der FDA

Trotz der Proteste aus der Bevölkerung Floridas stellte die zuständige amerikanische Lebensmittelbehörde FDA Oxitec mit der endgültigen Umweltprüfung eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. (1)

Nebulöse Experimente werfen Fragen auf

Die genmanipulierten Moskitos sollen eigentlich als Gegenmittel für das tropische, allerdings in unseren Breitengraden normalerweise nicht auftretenden Dengue-Fiebers und das Zirka-Virus eingesetzt werden.

Wenn man so will, müsste man es mit einem giftigen Schlangenbiss vergleichen können. Ohne schnell verabreichtes Gegenmittel können gewisse Schlangenbisse tödlich enden.

Das gleiche sollte man sich in ähnlicher Weise  von den GV-Moskitos erhoffen können, in dem man damit den Erreger unschädlich macht. Beim Experiment Brasilien wurde den betroffenen Bewohnern Hoffnung gemacht, dass damit dem Dengue-Fieber ein Ende gesetzt wird.

Bedenklich dabei muss jedoch einen jüngst veröffentlichte Studie stimmen, wonach zwar der Rückgang der Erreger-Moskitos zu verzeichnen sei, dies aber nicht zu einem Rückgang des Dengue-Fiebers führt, vielmehr könnte es durch die entarteten Moskitos noch zu einer Verschlimmerung führen.  (3)

Fragliches Experiment Florida

Proteste aus der Bevölkerung nützen erfahrungsgemäß wenig gegen wirtschaftliche Interessen und Monopolisten, wie beispielsweise gegen das für die GV-Moskitos verantwortliche biotechnischen Unternehmens Oxitec. In Florida ist das der Fall. Trotz Protesten und Zweifel aus der Bevölkerung darf weiter fröhlich experimentiert werden.  (1)

Seit einem halben Jahrzehnt sind in Florida keine Fälle des Dengue-Fiebers bekannt. Trotzdem soll es bekämpft werden. (3) Das hört sich so an, als ob man für eine Region, wo es keine Giftschlangen gibt, ein Gegenmittel für giftige Schlangenbisse entwickeln will.

Kommerzielle Absichten

Selbstverständlich will man mit den Experimenten einmal Geld verdienen. In der Versuchsphase sei dies jedoch noch nicht so, dort müssen noch Sponsoren herhalten, wie von führenden Oxitec-Mitarbeitern in einem Zeitungsinterview zu erfahren war. Auf die bereits angeführten Zweifel und Bedenken wird in dem Zeitungsbericht nochmals eingegangen. (4) Letztendlich dürfte der wirtschaftliche Aspekt diese Zweifel und Proteste überdecken.

Globales Experiment – Killermoskitos auch in Deutschland?

Viren kennen keine Grenzen. Allerdings ist unser Klima normalerweise kein Lebensraum für Überträger des Dengue Fiebers. Also müsste es uns hier wenig kümmern, denn wir haben weder ein tropisches Klima noch liegen Brasilien und Florida um die Ecke von uns. Durch die Globalisierung und ihre Auswirkungen können Viren vor allem jedoch durch Reisende auch bei uns eingeschleppt werden. Das könnte dazu führe, dass dann auch hier solche Killermoskitoexperimente stattfinden. Bereits vor über zwei Jahren bekam Oxitec die erste Genehmigung zum weltweiten kommerziellen Einsatz von GV-Moskitos. (5)

Deutschland und die Welt ist also also lediglich Versuchskaninchen. Mit einer unbekannten Zukunft…

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(1) https://netzfrauen.org/2016/08/08/trotz-protest-genehmigt-die-fda-moskitos-aus-dem-reagenzglas-in-florida-frankenmosquitoes-get-global/

(2) http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/214/genewatch-uk/oxitec%E2%80%99s-gentechnik-moskitos

(3) https://netzfrauen.org/2016/01/27/zikavirus-erst-patent-auf-schimpansen-jetzt-moskitos-aus-dem-reagenzglas-frankenmosquitoes-get-global/

(4) http://www.sueddeutsche.de/wissen/gentechnik-muecken-gegen-muecken-1.2526406

(5) http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/gentech-tiere/