Sie machten D-Mark zu Euro OHNE Ihr Einverständnis!

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von Dr. Michael Grandt

Die beim Volk geliebte D-Mark wurde europäischen Interessen geopfert. Aus Angst vor ihren eigenen Bürgern führte die Regierung keine Volksabstimmung durch. Die Menschen verloren mit der „Zwangseinführung“ und den Preiserhöhungen Milliarden.

Die Einführung des Euro am 1. Januar 2002 (als Bargeld) war eine der kühnsten Maßnahmen, die in der jüngeren Zeit von europäischen Staaten im Finanzsektor getroffen wurde. Fast „über Nacht“ hatten 320 Millionen Menschen in 12 verschiedenen Ländern das gleiche Geld in ihrem Portemonnaie.

 Der Euro wurde gegen den Willen der Bürger „zwangseingeführt“

In Deutschland waren der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die treibenden Kräfte, für die Einführung des Euro. Und das, obwohl die Bundesregierung wusste, dass sie die öffentliche Meinung gegen sich hatte!

Im deutschen Bundestag stimmten über 90 Prozent[i] der Abgeordneten für den Euro. Demgegenüber waren im Herbst des Jahres 2000 ganze 70 Prozent der Bundesbürger gegen die Abschaffung der D-Mark.[ii] Die Bundesregierung hatte also radikal gegen das eigene Volk gestimmt und den Euro „zwangseingeführt“.

Kohl: „Bei der Euroeinführung war ich wie ein Diktator“

Kohl gab das später selbst zu: „Ich wusste, dass ich die Abstimmung nie gewinnen kann in Deutschland. Eine Volksabstimmung über die Einführung des Euro hätten wir verloren (…) und zwar im Verhältnis 7 zu 3“.[iii] Doch was ist schon das Volk?

Kohl weiter: „Das politische Leben läuft so: Demokratie hin, Demokratie her, Wahlen hin und her, repräsentative Demokratie kann nur erfolgreich sein, wenn irgendeiner sich hinstellt und sagt: So ist das. Ich verbinde – wie ich – Existenz mit diesem politischen Projekt (…) In einem Fall war ich wie ein Diktator, siehe Euro, in einem Fall war ich wie ein Zauderer, habe alle Probleme ausgesessen (…)“[iv]

Theo Waigel = „Mr. Euro“

Auch Theo Waigel verteidigte die Euro-Pläne vehement und malte sich die Einheitswährung „schön“: „Der Euro ist eine absolute Erfolgsgeschichte (…) Siebzig Prozent der deutschen Exporte gehen in andere EU-Länder. Wie sollte das funktionieren, wenn wir täglich mit neuen Wechselkursen zwischen den europäischen Währungen konfrontiert würden? (…) Der Euro ist die europäische Antwort auf die Globalisierung der Welt und hat uns große Stabilität im Bereich der Währung gebracht. Die Probleme, vor denen die europäischen Länder stehen, gehen nicht auf den Euro zurück, sondern auf ihre eigene Haushalts- und Finanzpolitik und das Unvermögen, die notwendigen strukturellen Veränderungen herbeizuführen.“[v] Waigel war es dann auch, der den supranationalen Namen „Euro“ bei dem entscheidenden Gipfeltreffen der Finanzminister durchsetzte.[vi] Das brachte ihm den Spitznamen „Mr. Euro ein.“

„Das war keine gute Entscheidung“

Auch nach der „Zwangseinführung“ blieben die Menschen gegenüber dem Euro skeptisch. Sie hatten Sorge um ihr Erspartes und ihre Zukunft. Das beweist eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach:

„Egal, von welcher Seite man mit demoskopischen Fragen das Thema ‚Euro’ inzwischen beleuchtet, die Bevölkerung antwortet in ihrer Mehrheit nur noch negativ. Sechzig Prozent der Befragten meinten: ‚Das war keine gute Entscheidung.’[vii]

Besonders misstrauisch war die ältere Generation, die auf das Rentenalter zusteuerte oder es schon erreicht hatte. Sie konnten sich noch gut an die Währungsreform von 1948 erinnern oder wussten noch von ihren Eltern oder Großeltern, wie es war, als im November 1923 ein Dollar 4,2 Billionen Papiermark kostete. Es ging wieder Angst um.

So begeistert der Euro auch von den Politikern gefeiert wurde, das Volk blieb skeptisch und es sollte recht behalten, denn die neue Währung wurde schnell zum „Teuro“. Beim Umrechnen von einem Euro (= 1,95583 Mark) entstanden ungerade Zahlen, was viele Unternehmen dazu verleitete, die Preise zu erhöhen. Die Mehrheit der Bürger fühlte sich mit ihrer ablehnenden Meinung zum Euro bestätigt. Und dieses „Gefühl“ schien sie nicht zu täuschen.

Die Deutschen verloren 60 Milliarden D-Mark!

Den meisten Menschen in Deutschland fiel der Abschied von ihrer geliebten D-Mark sehr schwer und Berichte in den Medien trugen auch nicht gerade zu einem größeren Vertrauen in die neue Währung bei und das zurecht.

Nach den damaligen Berechnungen des Ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung würde die Einführung des Euro den Deutschen einen Verlust von knapp 60 Milliarden D-Mark bescheren. Dieser Betrag ergebe sich, so der damalige Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, aus der Übertragung des Gewinns bei der Bargeldschöpfung von den nationalen Notenbanken auf die Europäische Zentralbank (EZB). Deutschland sei dabei der größte Verlierer der Währungsunion und Frankreich der größte Gewinner.[viii]

Der Grund dafür sei, dass die D-Mark, mehr als andere europäischen Währungen, außerhalb der Landesgrenzen verwendet werde. Während Deutschland 39 Prozent zum gesamten Geldschöpfungsvermögen von 688 Milliarden D-Mark beitrage, erhalte es nur 31 Prozent zurück. Dadurch werde Deutschland, der Modellrechnung zufolge, nach dem vorgesehenen Umverteilungsmechanismus, 57,4 Milliarden oder 699 D-Mark pro Kopf verlieren. Frankreich trage dagegen nur 12 Prozent bei, erhalte aber 21 Prozent zurück.[ix]

Die Abschaffung der D-Mark war der Preis für die Wiedervereinigung

Unstrittig war die Einführung des Euro eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Ereignisse an der Wende zum 21. Jahrhundert. Aber es bleibt ein fahler Nachgeschmack. Ich argumentiere, dass mit dem Euro die „wertvolle“ D-Mark zur Sanierung „wertloser“ europäischer Währungen missbraucht wurde.

Ja ich setze sogar noch einen drauf: Die Abschaffung der stärksten Währung der Welt, der D-Mark, die unser Land groß gemacht hatte, war der Preis für die Wiedervereinigung.

Und noch ein wichtiger Punkt: Mit Verlust der Währungshoheit hört ein Staat auf, ein souveräner Staat zu sein und begibt sich in die Abhängigkeit einer Währungsunion mit all ihren Vor- und Nachteilen.

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[i] Günter Hannich: Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise, Rottenburg 2006, S. 99

[ii] Hannich, Staatsbankrott, S. 111

[iii] Interview von 2002, in: Jens Peter Paul: Bilanz einer gescheiterten Kommunikation. Fallstudien zur deutschen Entstehungsgeschichte des Euro und ihrer demokratietheoretischen Qualität, Dissertation; zitiert in: Deutsche Wirtschafts Nachrichten Nr. 1/Juni 2013, S. 14f.

[iv] Ebd.

[v] Zit. nach W. Meyer: Währungsreform – das neue Geld ist da, Augsburg 2005, S. 92f.

[vi] Zum ersten Mal sprach Waigel vom „Euro“ bei einer Sitzung der europäischen Finanzminister im September 1995 in Valencia.

[vii] Zit. nach Meyer, S. 92

[viii] https://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/!PORTAL.wwpob_page.show?_docname=62387.PDF

[ix] http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2001/Q1/press_112291.html