Das ENDE des Bargelds – Ein Blick in die nahe Zukunft!

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von Volker Hahn

Im Mai dieses Jahres verkündete der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, dass der 500-Euro-Schein sukzessive aus dem Zahlungsverkehr verbannt werden soll. Ab dem Jahr 2018 sollen die im Umlauf befindlichen Geldnoten eingesammelt werden. Schon jetzt wird die Produktion eingestellt. Begründet wird die Maßnahme mit der Bekämpfung von kriminellen Machenschaften. Doch die Argumentation steht auf ziemlich wackligen Beinen, oder glauben Sie, dass sich Geldwäscher, Terroristen oder andere Kriminelle hierdurch von ihren illegalen Aktivitäten abbringen lassen?

Bargeldzahlungen ab 5.000 Euro werden verboten

Ist dieser Schritt womöglich Teil einer breit angelegten Kampagne? Im Februar machte die Bundesregierung bereits Pläne publik, wonach in Zukunft Bargeldgeschäfte ab einer Summe von 5.000 Euro verboten werden könnten. Damit würde man Ländern wie Frankreich und Italien nachfolgen, wo Bargeldzahlungen von über 1.000 Euro bereits verboten sind. In Dänemark wird sogar diskutiert, ob in Zukunft überhaupt noch Bargeld angenommen werden muss. Auch hierbei werden die Themen Sicherheit und Terrorbekämpfung in den Vordergrund gestellt.[1] Kriminelle Geschäfte wie Waffen- und Drogenhandel sowie Schwarzarbeit und Korruption sollen hierdurch eingedämmt werden.[2]

Es geht in Wahrheit um etwas ganz anderes

Steckt im großen Ganzen aber möglicherweise was ganz anderes hinter diesen Vorgängen, sind die Argumente also nur vorgeschoben? Deutschlands bekanntester Ökonom Hans-Werner Sinn ist sich sicher, den wahren Grund zu kennen. „Es geht in Wahrheit um etwas ganz anderes als die Kriminalität von Kleinganoven. Es geht um den Wunsch der EZB, die Einlagenzinsen noch weiter in den negativen Bereich zu schieben“, sagte er im Gespräch mit der FAZ. Und was kommt als nächstes, sind dies die Vorboten einer schleichenden Verbannung des Bargeldes?

In 10 Jahren wird kein Bargeld mehr existieren

In der Politik wird das Bargeldverbot bereits offen und intensiv diskutiert. Die Fürsprecher sind bedeutende Größen aus Politik und Wirtschaft. Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnet Bargeld beispielsweise als „intransparentes Zahlungsmittel“. Vor allem „Geldwäscher“ würden sich dies zunutze machen, um die tatsächliche Herkunft des Geldes zu verschleiern.[3] Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, sagte Anfang dieses Jahres in Davos: „In zehn Jahren wird Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren … Es ist einfach schrecklich ineffizient“. Der Wirtschaftsweise Peter Bohfinger bezeichnete Bargeld im vergangenen Jahr sogar als nicht mehr zeitgemäß. „Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus.“ Gleichzeitig forderte er die Bundesregierung auf, auf internationaler Ebene für eine Bargeldabschaffung einzustehen. Auch der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, plädiert dafür, das Bargeld „über einen längeren Zeitraum auslaufen zu lassen“.[4]

Das Horten von Bargeld schadet den Banken

Einer der ersten Fürsprecher für den Bargeldverzicht war der frühere US-Finanzminister Larry Summers. Er prangerte den globalen Sparüberhang an, der auf lange Sicht zu einer „säkularen Stagnation“ mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen führen werde. Besonders die Menschen in Deutschland und in China würden seiner Ansicht nach zu viel sparen anstatt zu konsumieren. Weiter hieß es, dass selbst eine Zinssenkung auf null Prozent den Konsum und die Investitionen nicht dauerhaft steigern würde, da die Investitionsobjekte nicht attraktiv nicht genug seien. Stattdessen müsste mit Blick auf das Kapital Angebot und Nachfrage wieder in Balance gebracht werden. Hierzu seien staatliche Konjunkturprogramme und Negativzinsen denkbare Lösungen. Mit Negativzinsen verband Summers die Hoffnung einer Zunahme der Investitionen. In diesem Zusammenhang sprach er sich konsequenterweise für eine Abschaffung des Bargeldes aus.[5] Denn nur so kann sein propagiertes Konstrukt funktionieren. Wenn die Menschen nämlich ihr Bargeld horten, umschiffen sie automatisch die Negativzinsen ihrer Banken und werden damit auch nicht zu Investitionen gezwungen.

Es geht um den globalen Schuldenturm, der immer größer wird

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, nur die Prämisse ist eine andere. Vielmehr geht es nämlich um den globalen Schuldenturm, der immer größer wird. Die Banken haben in den vergangenen Dekaden reichlich Kredite vergeben. Im Zeitraum von 1980 bis 2010 wuchs die Verschuldung in den Industrieländern im Verhältnis zu ihrem Bruttoinlandsprodukt um mehr als 100 Prozent. Die Unternehmensberatung McKinsey ist sich sicher, dass sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen wird. Allein seit 2007 stieg die globale Verschuldung demnach um sage und schreibe fast 50 Billionen US-Dollar (Stand 02/2015).[6] Um den Turm nicht zum Einsturz zu bringen, müssen die Zinsen aber selbstverständlich immer weiter nach unten gedrückt werden, damit die Schuldner ihre Darlehen auch weiterhin bedienen können. Zwangsläufig landet man so im negativen Zinsbereich.[7] Gleichzeitig ist dies aber ein Teufelskreis, da die Schulden durch das billige Geld immer weiter steigen.

Das Ende der Inflation?

In vielen Ländern werden Banken bereits zur Kasse gebeten, wenn sie Geld bei den Notenbanken parken. In Schweden liegt der Leitzins bei -0,5 Prozent, die Europäische Zentralbank verlangt -0,4 Prozent, in der Schweiz sind es sogar -0,75 Prozent. Und genau hier beginnt das Dilemma. Der Autor Roger Bootle bringt dies in seinem Buch „Das Ende der Inflation“ aus dem Jahr 1996 treffend auf den Punkt. „Wenn die Banken dann unter der Führung der Notenbank versuchen, Bankeinlagen negativ zu verzinsen, dann ziehen die Leute ihr Geld von der Bank ab und bilden Bargeldvorräte, auf die keine negativen Zinsen berechnet werden könnten …“, schrieb er.[8] Keine guten Aussichten also für die Bürger. Um der Enteignung zu entgehen, bliebe den Bürgern nur die Flucht ins Bargeld, sprich das Guthaben von den Konten abzuziehen und in Bankschließfächern oder privaten Tresoren zu lagern. Auf diese Weise können die Negativzinsen vermieden werden. Nur so kann die faktische Besteuerung zur Sanierung der Banken und der Schuldner umgangen werden.

Banken oder Freiheit?

Für den Staat ist es also wichtig, dass die Menschen dem Schuldensystem erhalten bleiben, um später zur Sanierungshilfe gezwungen werden zu können. Dies gelingt nur durch eine Abschaffung des Bargeldes.[9] So wie die Welt sich momentan darstellt, avanciert Bargeld zum Feindbild von Notenbanken, Banken und Regierungen. Es ist eine Gefahr für die Politik der negativen Zinsen. Mit einem Ende des Bargeldes würde gleichzeitig die Freiheit der Bürger zugrunde gehen.[10] In der Tat wären die Bürger in einer Welt ohne Bargeld viel leichter zu kontrollieren. Derzeit sind private Einlagen nur bis zu einem Betrag von 100.000 Euro gesichert. In einer Welt ohne Bargeld könnte dies bei einer Bankenpleite zu schweren Vermögensverlusten führen.[11] Und möglicherweise würde die Einlagengrenze in einem nächsten Schritt noch einmal nach unten korrigiert, wer weiß das schon. Zahlungen per Kreditkarte könnten überwacht und im Zweifel blockiert werden. Regierungen könnten Auslandsüberweisungen mit einem Mausklick verhindern oder den Umtausch in sichere Währungen wie Gold verwehren. So gesehen wäre die Bargeldabschaffung ein Schritt hin zu einem Überwachungsstaat. „Bargeld ist eine Bastion des freien Bürgers gegen seine fortschreitende Versklavung. Deshalb wird es zunehmend geächtet“, schrieb in diesem Zusammenhang ein Leser auf achgut.com.[12]

 

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[1] Vgl. https://deutsch.rt.com/europa/38162-paukenschlag-in-richtung-bargeld-verbot/

[2] Vgl. http://alfa-bund.de/blog/bargeldverbot-kriminalitaetsbekaempfung-ist-nur-vorwand-fuer-schleichende-enteignung-der-buerger

[3] Vgl. http://www.achgut.com/artikel/bargeld_verbot_nicht_nur_enteignung_sondern_auch_entmuendigung

[4] Vgl. http://www.focus.de/finanzen/experten/thorsten_schulte/glaeserne-buerger-darum-wollen-regierungen-ein-bargeldverbot-und-wer-profitiert-davon_id_5434818.html

[5] Vgl. http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/bargeldverbot-als-ultima-ratio-a-1033552.html

[6] Vgl. http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/bargeldverbot-als-ultima-ratio-a-1033552.html

[7] Vgl. http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/daniel-stelter-was-passiert-mit-dem-bargeld-a-1073706-2.html

[8] http://www.focus.de/finanzen/experten/thorsten_schulte/glaeserne-buerger-darum-wollen-regierungen-ein-bargeldverbot-und-wer-profitiert-davon_id_5434818.html

[9] Vgl. http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/daniel-stelter-was-passiert-mit-dem-bargeld-a-1073706-2.html

[10] http://www.focus.de/finanzen/experten/thorsten_schulte/glaeserne-buerger-darum-wollen-regierungen-ein-bargeldverbot-und-wer-profitiert-davon_id_5434818.html

[11] Vgl. http://www.focus.de/finanzen/experten/thorsten_schulte/glaeserne-buerger-darum-wollen-regierungen-ein-bargeldverbot-und-wer-profitiert-davon_id_5434818.html

[12] Vgl. http://alfa-bund.de/blog/bargeldverbot-kriminalitaetsbekaempfung-ist-nur-vorwand-fuer-schleichende-enteignung-der-buerger, http://www.achgut.com/artikel/bargeld_verbot_nicht_nur_enteignung_sondern_auch_entmuendigung