Bargeldverbot: Auf der Strecke blieben die Freiheit und die Bürger

Auf Facebook liken

von Volker Hahn

In der Bundesregierung wird offen darüber diskutiert, Bargeschäfte auf 5.000 Euro zu limitieren. Mit der Maßnahme würde man auf die gewachsene Terrorbedrohung durch Gruppierungen wie den selbsternannten Islamischen Staat reagieren. So heißt es jedenfalls. Für Terroristen sei das Bargeld ein beliebtes und wichtiges Vehikel zur Finanzierung von Waffen und weiteren illegalen Aktivitäten.[1]

Zudem könne man auf diese Weise der Geldwäsche Einhalt gebieten. “Bargeld hinterlässt keine Spuren und ist deshalb bei Kriminellen beliebt. Die Einführung einer Bargeldschwelle ist ein wirksames Mittel zur Eindämmung illegaler Geschäfte”, heißt es in einem Positionspapier der SPD-Fraktion.[2]  Vergessen wird anscheinend, dass 5.000 Euro immer noch sehr viel Geld sind, um illegalen Aktivitäten nachzugehen. Die Schattenwirtschaft würde auch weiterhin florieren. Bleibt also nur die komplette Bargeldabschaffung, in sämtlichen Staaten dieser Erde. Viele Länder verfügen aber gar nicht über die Technik, um mobiles und elektronisches Bezahlen möglich zu machen. Und selbst wenn das doch gelingen sollte, ist kaum davon auszugehen, dass man so Terroristen stoppen kann.

Auch Experten halten nichts vom Bargeldverbot

Der Ökonom Friedrich Schneider, der an der Universität Linz zum Thema Schwarzmarkt forscht, ist der Meinung, dass die Schattenwirtschaft in einer bargeldlosen Welt maximal um 15 Prozent schrumpfen würde. „Beim Rest würde auf andere Zahlungsmittel ausgewichen“, sagt er.[3] Dann werden die Waffen oder Kampfmaschinen eben mit Drogen, Diamanten oder anderen Naturalien bezahlt.[4] Vor der Einführung von Münzgeld und Banknoten haben die Menschen schließlich ebenso gehandelt und Geschäfte abgeschlossen.

Die Argumente der Cash-Gegner sind also anscheinend nur vorgeschoben. Man möchte die wahren Beweggründe kaschieren. Wir leben in unruhigen Zeiten. Die Angst vor Terroranschlägen und Amokläufen wird gezielt gefüttert, um Unterstützer für das Bargeldverbot zu gewinnen. Doch in Wahrheit haben es die Staatslenker langfristig auf eine bargeldlose Welt abgesehen. Die beschlossene Abschaffung der 500-Euro-Banknote und ein Bargeld-Limit wären da nur die Vorboten, um die Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen. Die Politik will den gläsernen Steuerbürger, dessen Vermögen in Gänze beim Finanzamt einzusehen ist. Der Gedanke dahinter ist klar: Vollüberwachung, kein Schwarzgeld mehr und sprunghaft steigende Steuereinnahmen.[5]

Doch nicht nur die Politik profitiert vom gläsernen Bürger

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Institutionen, die von einer bargeldlosen Welt profitieren würden. Einige Ökonomen sind der Ansicht, dass die Bekämpfung einer konjunkturschädlichen Deflation, sprich eines breit angelegten Preisverfalls, ohne Bargeld erleichtert wird.[6]  Fakt ist, dass hierdurch Tür und Tor für Notenbanken geöffnet werden, um Negativzinsen durchzusetzen. Wer dann noch dem Negativzins entgehen will und Geld umschichten und zuhause bunkern möchte hat dann schlechte Karten. [7] Die Wirtschaft würde vielleicht profitieren, für den Bürger ist das nur eine schleichenden Enteignung. Durch eine ungebremste Geld-Flut (indem Banken wie verrückt Kredite vergeben) könnte dann aber noch ein ganz anderes Szenario drohen. Davor schrieb bereits vor 80 Jahren der berühmte Wirtschaftswissenschaftler John Meynard Keynes in seinem Buch „Vom Gelde“. Er warnte eindringlich: Dann kommt die Mega-Inflation! [8]

Deswegen will auch Ihre Bank das Bargeld-Verbot

Auch normale Banken und Sparkassen würden eine bargeldlose Welt begrüßen: Keine Kosten mehr für Schließfächer und Geldautomaten. Auch das Risiko eines Bankraubes würde minimiert. Daneben würden die Kosten und der Zeitaufwand für die Bargeldausgabe und -einzahlung entfallen. Es kommt zu starken Umsatzssprüngen durch entlassenes Personal. Zudem kann man dann von Bankkunden höhere Gebühren verlangen, für Kontoführung, Geldtransaktionen et cetera. Bei einer Schieflage des jeweiligen Instituts würde der oft beobachtete Banken-Run ausbleiben.

Wir normale Bürger können dann für die Banken-Rettung zwangsenteignet werden![9] Obendrein hätten Banken Zugriff auf umfassenden Daten zu dem Konsumverhalten ihrer Kunden. „Es gibt massive Unternehmerinteressen an einer Nutzung dieser Daten“, sagt auch der österreichische Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer. Diese Informationen haben heutzutage einen großen Stellenwert für Unternehmen wie Facebook, Amazon, Google und Co., um Kunden gezielt anzusprechen. Banken werden anfangen Kundendaten zu verschachern. Das Kerngeschäft und damit die Kleinsparer leiden am meisten. Einen ähnlichen Wandel strebt bereits die US-Bank State Street an.[10]

Amerikanische Großkonzerne freuen sich schon!

Natürlich würden auch große Unternehmen ihren Teil des Kuchens abbekommen. Zum einen die großen Kreditkartenunternehmen, die in einer bargeldlosen Welt noch einmal deutlich Zuwachs bekommen würden. Aber auch Großkonzerne wie Apple und Google, die mit mobilen Bezahlmöglichkeiten (Mobile Payment) Milliarden-Geschäfte anstreben.[11]

Mit dem Bargeldverbot hat auch der Sicherheitsstaat genau das, was er sich sehnlichst erhofft, die Kontrolle und Überwachung der Konsumgewohnheiten seiner Bürger. Dies würde jeden Menschen zum potenziellen Schwerverbrecher erklären und die letzten Überbleibsel von Freiheit und Selbstbestimmung vernichten.[12] “Wer Obergrenzen für Barzahlungen oder sogar die völlige Abschaffung von Bargeld diskutiert, darf die Konsequenzen für Verbraucher nicht außer Acht lassen”, sagte Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband. “Bargeld ist gelebter Datenschutz. Der darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.”[13] In einer bargeldlosen Welt gibt es nur zwei Verlierer: Den Bürger und die Freiheit. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nahm in diesem Zusammenhang kein Blatt vor den Mund als sie schrieb: „Die Feinde des Bargelds streben nach totaler Kontrolle.“ Und die Süddeutsche Zeitung warnte: „Wenn das Bargeld abgeschafft wird, ist Big Brother nicht weit.“

Bargeld – Freiheit, Sicherheit und Kulturgut

In der Tat bedeutet Bargeld nicht nur  Kulturgut sondern auch ein großes Stück Bürgerautonomie. Jeder kann selbst frei darüber entscheiden, warum, wann, wie, wo und wie viel Geld für etwas ausgegeben wird. Dies muss auch in Zukunft so bleiben. Man sollte niemandem darüber Rechenschaft ablegen müssen. Für einen Buchgeld-Bürger würde dies jedoch nicht mehr gelten. Elektronische Zahlungen können gespeichert und nachverfolgt werden.[14]

Außerdem steigt mit technischem Fortschritt auch die Gefahr von Cyber-Attacken. Für den Bankraub der Zukunft müssen keine Tresore mehr gesprengt werden, sondern es geschieht per Mausklick durch Infiltration von Datensystemen.[15] Ganz ähnlich sieht das auch Friedrich Schneider von der Universität Linz: „Durch den technischen Fortschritt wird es auch billiger und einfacher, die Zahlungssysteme anzugreifen.“[16] Mit Cyber-Attacken könnten aber auch Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Stromnetze ins Ziel genommen werden. Was würde bei einem Blackout passieren, womit bezahlen die Bürger in einer solchen Ausnahme-Situation wenn es kein Bargeld mehr gibt?[17] „Eine Bargeld-Abschaffung wäre ein massiver Eingriff in den Datenschutz bei einem sehr überschaubaren volkswirtschaftlichen Nutzen“, bringt es Friedrich Schneider auf den Punkt.[18]

Auf Facebook liken


[1] Vgl. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bargeld-regierung-erwaegt-obergrenze-fuers-bezahlen-a-1075385.html

[2] Vgl. http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bargeld-was-bringt-eine-obergrenze-von-5000-euro/12915414.html

[3] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/oekonomen-analysieren-warum-die-welt-ohne-bargeld-nicht-funktioniert/3752086.html

[4] Vgl. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/michael-brueckner/jetzt-wird-s-ernst-bargeldverbot-ante-portas.html

[5] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-bargeld-ist-datenschutz/12928118.html

[6] Vgl. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bargeld-regierung-erwaegt-obergrenze-fuers-bezahlen-a-1075385.html

[7] Vgl. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bargeld-regierung-erwaegt-obergrenze-fuers-bezahlen-a-1075385.html

[8] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/oekonomen-analysieren-warum-die-welt-ohne-bargeld-nicht-funktioniert/3752086.html

[9] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-bargeld-ist-datenschutz/12928118.html, http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/michael-brueckner/jetzt-wird-s-ernst-bargeldverbot-ante-portas.html

[10] Vgl. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/michael-brueckner/jetzt-wird-s-ernst-bargeldverbot-ante-portas.html

[11] Vgl. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/michael-brueckner/jetzt-wird-s-ernst-bargeldverbot-ante-portas.html

[12] http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-bargeld-ist-datenschutz/12928118.html

[13] Vgl. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bargeld-regierung-erwaegt-obergrenze-fuers-bezahlen-a-1075385.html

[14] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-bargeld-ist-datenschutz/12928118.html

[15] Vgl. http://www.mittelstand-die-macher.de/marketing-vertrieb/e-commerce/bargeld-abschaffen-3-argumente-pro-und-contra-8750

[16] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/oekonomen-analysieren-warum-die-welt-ohne-bargeld-nicht-funktioniert/3752086.html

[17] Vgl. http://www.mittelstand-die-macher.de/marketing-vertrieb/e-commerce/bargeld-abschaffen-3-argumente-pro-und-contra-8750

[18] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/oekonomen-analysieren-warum-die-welt-ohne-bargeld-nicht-funktioniert/3752086.html