Deepwater Horizon: Ein katastrophaler Fehler!

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von Volker Hahn

Der vordergründige Teil des Skandals ist uns allen bekannt: Am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon des Öl-Riesen BP im Golf von Mexiko und damit begann die größte Öl-Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Der eigentliche Skandal dahinter: Während das schuldige Unternehmen längst wieder munter Gewinne scheffelt und augenscheinlich nicht das Geringste aus dieser Umweltkatastrophe gelernt hat, leiden und sterben bis heute Menschen und Tiere.

Nach Medienberichten hat der Unfall den Öl-Multi BP unter dem Strich rund 40 Milliarden Euro insgesamt gekostet – und damit wurde das Kapitel dort auch geschlossen. Ursprünglich waren es wohl knapp 60 Milliarden Euro gewesen, aber dank Steuerersparnissen wurden es dann wohl nur rund 40 Milliarden Euro. Die Verseuchung der Umwelt konnte der Konzern also sozusagen steuerlich geltend machen – was der Katastrophe der Deepwater Horizon samt dem Tod von 11 Menschen und Tausenden von Tieren und anderen Lebewesen wohl die Krone aufsetzt! Zumal die Spätfolgen die Ölindustrie kaum zu bewegen scheinen!(1)

Dabei waren die primären Folgen von Deepwater Horizon schon der blanke Horror

Dadurch, dass der unfähige Konzern über 80 Tage brauchte, um das Bohrloch Deepwater Horizon zu verschließen, konnten rund 700 Millionen Tonnen Öl und 500.000 Tonnen Methangas ins Meer strömen. Ein Sinnbild für die eigene Selbstüberschätzung. Die dramatischen Folgen sind kaum in Zahlen zu fassen, denn neben dem direkten Tod von 11 Menschen kamen alleine in der unmittelbaren Konsequenz tausende Lebewesen um. Das Öl verseuchte direkt mehr als 1.000 Kilometer Küste und den Golf von Mexiko. Der Lebensraum von mehr als 8.000 Tierarten (Fische, Vögel, Weichtiere, Reptilien, Krebse, Meeressäuger, usw.) wurde kontaminiert und löste ein Massensterben aus.(2)

Im Gegensatz zu dem qualvollen Sterben, das bis heute anhält, und der quälend langsamen Rettungsaktion ging die Schadensabwicklung dann erstaunlich schnell und fast reibungslos über die Bühne. Die US-Regierung und der Energiekonzern haben sich auf einen Vergleich zur Schadensregulierung geeinigt, um die Kosten (!) der Ölpest zu begleichen. Schlappe 18,7 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 16,9 Milliarden Euro) Schadensersatz wurden fällig, insgesamt kam der Konzern-Riese mit den eingangs genannten rund 40 Milliarden Euro davon, die er zur Regulierung extra zurückgestellt hatte.(3)

Das Problem wurde nicht behoben, es wurde verschlimmert!

Auch wenn das manchenorts als Rekordsumme betitelt wurde, ist es ein Klacks gegen die durch Deepwater Horizon ausgelösten Schäden, die ja keinesfalls behoben sind. Auch wenn das behauptet wird. Denn dagegen sprechen einfach die Fakten. Zunächst einmal ließ BP – offenbar um etwas zu tun und Aktivität zur Eindämmung der Ölpest zu demonstrieren – fast 7 Millionen Liter eines chemischen (!) Lösungsmittels auf die Ölteppiche und in die Nähe der Öl-Austrittsstelle verteilen, in der vagen Hoffnung auf Besserung der Lage. In Wahrheit hat diese Aktion das Ganze nur noch sehr viel schlimmer gemacht und den Schaden nur nochmals vergrößert.(4)

Die langfristigen Folgen der Deepwater Horizon Katastrophe sind ohnehin vollkommen unkalkulierbar, weil niemand weiß, wie lange das Öl und das Lösungsmittel im Golf von Mexiko noch Schaden anrichten werden. Für den Konzern dagegen ist der Unfall bereits Geschichte und man schreibt bereits wieder Gewinne. Von 2011 bis 2014 alleine mehr als 63 Milliarden Dollar.(5)

Als wäre das nicht schon unfassbar genug, behauptet der Multi auch noch, alles wäre längst wieder in Butter und die Ölpest bereits Geschichte, da der größte Teil schon nicht mehr vorhanden sei. Und zwar bereits wenige Monate nach der Deepwater Horizon Katastrophe! Und überhaupt sei viel weniger Öl ins Meer geflossen als von anderer Seite immer behauptet worden sei. Der Richterspruch dagegen ging von 380 Millionen Litern aus und damit von mehr Öl, als BP angegeben hat.

Umweltexperten schätzen dagegen zwischen 700 und 800 Millionen Litern! Und BP als verantwortliches Unternehmen war es schließlich, das nach dem Unglück Messungen verhindert hat! Nichts scheint mir mehr das wahre Gesicht des Konzerns zu zeigen, als diese Sache. Die BP-Chefin für Umweltsanierung, Laura Folse, sprach sogar von beispiellosen Aufräumarbeiten und der natürlichen Belastbarkeit der Umwelt!(6)

Das Gift lauert weiter in den Tiefen des Meeres

Dabei ist weder die Gefahr vorüber, noch sind die Folgen für Mensch, Tier und die Umwelt gebannt. Ganz im Gegenteil: Das Gift lauert weiter in den Tiefen des Meeres und kommt nach und nach an die Oberfläche und in die Nahrungskette. Auf diese Weise wird das Leiden und Sterben noch viele Jahre anhalten. Jahre, in denen BP weiter munter Gewinne macht und sich einen Dreck um die wahren Folgen der Katastrophe schert. So ähnlich wie Donald Trump, der ja auch nur die Steuergesetze brillant genutzt hat, hat der Konzern mit dem Richterspruch sein – offenkundig nie wirklich vorhandenes – Verantwortungsgefühl für diese Welt abgegeben.

Delphine leiden nach einer neuen Studie dagegen weiter unter Lungenerkrankungen und anderen Auffälligkeiten und sterben deutlich häufiger als früher, Korallen sind massiv geschädigt, und die schlimmsten Folgen kommen vom Meeresboden. Denn große Ölmengen haben sich Experten zufolge dort abgelagert – auf einer Fläche von mindestens 3.200 Quadratkilometern! Vermutlich ist die durch Deepwater Horizon kontaminierte Fläche sogar noch viel größer. Dort bleibt die schwarze Pest über Jahre und Jahrzehnte, und gibt immer weiter Giftstoffe über das Wasser ab.(7)

Das tötet Leben unter dem Ölteppich und die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt insgesamt sind kaum abschätzbar. Außer für BP natürlich, für die ja alles wieder im grünen Postkartenbereich ihrer Werbewelt ist.

Es wurde Geld gezahlt, es wird wieder gut verdient und die paar gesetzlichen und technischen Verschärfungen fallen nicht wirklich störend ins Gewicht. Dass es wieder zu einer solchen Katastrophe kommen könnte scheint auch niemanden zu stören. Hauptsache bis dahin rollt der Rubel weiter.

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