Eine Handvoll Lebensmittelkonzerne teilt sich die Welt auf!

Auf Facebook liken

von Volker Hahn

Während die Weltbevölkerung immer größer wird und damit auch der Nahrungsmittelbedarf steigt, werden die den Welthandel beherrschenden Lebensmittelkonzerne immer weniger. Es gibt genau genommen zehn Lebensmittelgiganten, die den Weltmarkt unter sich aufteilen: neben dem Weltmarktführer Nestlé zählen hierzu Coca Cola, Pepsico, Unilever, Kellogs, Mars, Danone, Mondelez, Associated British Foods (ABF) und General Mills.

All diese Unternehmen decken mit ihren zahllosen Marken unterschiedliche Segmente wie Wasser, Kaffee, Fertiggerichte, Salzgebäck, Süßwaren oder Tiernahrung ab. Wenn unsereiner durch den Supermarkt wandert und die vielen verschiedenen Marken sieht, möchte man meinen, dass sich dahinter viele Firmen verbergen. Doch dem ist nicht so: zum Imperium des Schweizer Konzerns Nestlé gehören unter anderem die Marken Vittel, Perrier, Maggi, Nescafé, Lion, Kitkat oder Alete.

Mars ist nicht nur Hersteller diverser Schokoriegel wie Snickers, Twix oder Bounty, sondern auch von Uncle Ben’s Reis, Pedigree oder Whiskas. Zu dem aus Kraft Foods abgespaltenen Konzern Mondelez gehören die Marken Toblerone, Milka oder Philadelphia. Unter dem Dach von dem niederländisch-britischen Konzern Unilever befinden sich die Marken Lipton, Knorr, Langnese oder Becel. Der französische Konzern Danone vertreibt die Marken Evian, Volvic, Actimel und Activia. Zu Kellogs gehören neben den vielen Frühstückscerealien auch Pringles Chips, zu General Mills unter anderem Häagen-Dazs-Eis.[1]

Die Großen fressen die Kleinen

Sofern es ein kleineres Unternehmen mit einem erfolgreichen Produkt auf den Lebensmittelmarkt schafft, dauert es meistens nicht lange, bis die großen Konzerne zuschlagen und das Produkt ihrem Markenimperium einverleiben.[2] Die großen Konzerne kaufen kleinere Konzerne und steigern so ihre Marktanteile und ihre Macht. So geschehen, als der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli 2014 den US-Rivalen Russell Stover Candies zukaufte und damit zum drittgrößten Schokoladen-Anbieter in Nordamerika aufstieg, hinter Mars und Hershey‘s.[3]

Durch diese Konzentration von Megakonzernen entstehen zwangsläufig oligopolistische Strukturen, die die Macht und die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette innehaben- sozusagen ein Lebensmittelkartell. Sie können Preise und Geschäftsbedingungen diktieren und entscheiden letzten Endes, was bei uns auf dem Speiseteller landet.

Wasser,  Tee, Kaffee –Oligopole, wohin das Auge reicht

Wasser ist in unserer Zeit zu einem Handelsgut verkommen, mit dem viel Geld zu verdienen ist. Und das ist es, worum es den Großkonzernen in erster Linie geht. Geld verdienen und den eigenen Gewinn maximieren. Das im Handel zu kaufende Wasser entfällt zu einem großen Teil auf die globalen Schwergewichte Coca Cola, Danone, Pepsico und Nestlé, die somit auch freie Hand bei allen Fragen des Marketings haben.[4] Unilever ist der größte Teeproduzent und beherrscht mit zwei weiteren Konzernen 75 Prozent des weltweiten Teemarktes. Gleiches gilt für Kartoffeln, Orangen und sogar Fisch.

Überall gibt es wenige globale Schwergewichte, die den Markt bestimmen.[5] Nestlé ist nicht nur der weltgrößte Wasser- und Kaffeehersteller, sondern auch die Nummer Eins unter den Milchproduzenten. Ferner sind die Schweizer führend bei Tier- und Babynahrung und zudem der weltgrößte Konsumgüterhersteller. Der Konzern ist in mehr als 150 Ländern vertreten und unterhält in über 80 Ländern Produktionsstätten. [6] Im Jahr 2004 hatte Nestlé sogar versucht, den ebenfalls riesigen US-Konzern General Mills für rund 22 Mrd. Dollar zu übernehmen.

Dann wäre die Marktmacht noch größer geworden, als sie ohnehin schon ist. Die beiden Konzerne sind aber auch so eng miteinander verbunden. Seit 1991 gibt es das 50/50 Joint Venture „Cereal Partners Worldwide“, das in mehr als 130 Ländern Frühstückscerealien vertreibt.[7] Und auch zwischen den anderen Megakonzernen gibt es Verflechtungen und Partnerschaften, die die Macht noch weiter steigern.

Am Ende leidet das schwächste Glied in der Kette

Während die Konzerne immer stärker und mächtiger werden, ändert sich an den Verhältnissen bei den Zulieferern so gut wie gar nichts. Am schlimmsten steht es um die vielen Plantagenarbeiter und Kleinbauern in südlichen Ländern. Dies hängt auch mit der starken Marktkonzentration im Einzelhandel zusammen. Hierzulande beherrschen mit Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi vier Unternehmen 85 Prozent des deutschen Absatzmarktes. Durch diese Konstellation kann auf die Hersteller ein Preisdruck ausgeübt werden.

Während die Verbraucher sich über günstige Preise freuen, sparen die großen Konzerne halt an anderer Stelle. Und wie so oft trifft es das schwächste Glied in der Wertschöpfungskette – die Kleinbauern und die Arbeiter bei den Zulieferern. Produzentenpreise, die kaum kostendeckend sind, geringe Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen auf den Plantagen, Verzicht auf umweltschonenden Anbau und sogar Kinder- und Zwangsarbeit. Mit Gütesiegeln auf den gekauften Produkten will man dem Verbraucher weißmachen, dass alles in bester Ordnung ist, aber die Wahrheit ist meistens eine andere.

So haben die Lebensmittelkonzerne genaue Kenntnis von den katastrophalen Arbeitsbedingungen, die auf  vielen Kakaoplantagen herrschen. Trotzdem bleiben Initiativen, nur fair erzeugten und gehandelten Kakao zu verwenden, die Ausnahme.[8] So wurden im Jahr 2014 weltweit rund 4 Millionen Tonnen Kakao produziert, wovon weniger als 5 Prozent nachhaltig erzeugt wurde. Die Mehrzahl der Kakaobauern fristet ein Leben in bitterer Armut. Eine Kakaobauernfamilie von der Elfenbeinküste muss sich mit einem halben Dollar pro Tag begnügen.[9]

Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat bei ihren Nachforschungen etliche Missstände bei den Lebensmittelmultis aufdecken können. So soll der US-Riese Kellog’s besonders rücksichtslos mit Bauern und Arbeitern umgehen. ABF soll sich nicht um die Wasserversorgung scheren, Danone wird beschuldigt, tatenlos zuzusehen, wie die Zulieferer Landraub für den Anbau der Zutaten betreiben.[10]

Wer die Macht hat, hat das Recht

In den USA sind Lebensmittelkonzerne bereits mehrfach ins Visier der Justiz geraten. Die Anwaltskanzlei Hagens Berman hatte im letzten Jahr Sammelklagen gegen Mars, Hershey’s und Nestlé eingereicht, weil diese verschwiegen, dass ihre Kakaolieferanten von der Elfenbeinküste Kinderarbeit fördern. Obwohl die Faktenlage klar ist, wurden die Klagen fallen gelassen. In einem anderen Fall wurde Nestlé der Beihilfe zur Sklaverei und zum Menschenhandel beschuldigt. Im Mittelpunkt steht der thailändische Zulieferer Thai Union Frozen, von dem Nestlé für seine Tierfuttermarken über 12.000 Tonnen Nahrung auf Basis von Meeresfrüchten und Kleinfischen importiert hat.

Ein Teil dieser Meeresfrüchte wurde dabei unter Sklaverei-Bedingungen gewonnen.[11] Doch auch hier wird es wahrscheinlich zu keiner Strafe kommen. Die Megakonzerne sitzen aufgrund ihrer Größe und ihrer Macht letzten Endes am längeren Hebel. Sie haben das Geld, sich von den besten und teuersten Anwälten vertreten zu lassen, zudem sind sie für die Wirtschaft zu bedeutend, als dass man sie fallen ließe. Ihre Macht geht sogar so weit, dass sie durch ihre Lobbyisten sogar Einfluss auf Politik und Gesetzgebung nehmen können. So haben die Kakao-Lobbyisten in den USA ein Gesetz verhindert, dass Ausbeutung und Zwangsarbeit von Kindern auf den Plantagen verhindern sollte.[12] Mittlerweile werden oftmals Konzernvertreter in staatlichen Einrichtungen untergebracht, um für die Konzerninteressen einzutreten. Und dies durchaus mit Erfolg, da sie sich nicht selten bei Themen wie Gentech-Saatgut, Zulassungen von Pestiziden, Nahrungsmittelstandards oder Handelsabkommen durchsetzen können.[13]

Auch die Saatgut-Konzerne mischen kräftig mit

Eine wichtige Rolle spielen in der globalen industrialisierten Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette inzwischen auch die großen Saatgutkonzerne. Auch hier konzentriert sich die Marktmacht auf wenige Global Player wie Syngenta, DuPont und Monsanto (steht vor der Übernahme durch Bayer). Die vorgenannten Unternehmen nehmen gleichzeitig auch im Pestizidmarkt eine führende Rolle ein und zwingen den Bauern somit nicht nur oftmals genmanipuliertes Saatgut, sondern auch Dünge- und giftige Pflanzenschutzmittel auf. Für die Bauern, die diese Produkte früher meist selbst hergestellt haben, sorgen die Pestizide oft für kaputte Böden. Zudem treiben die hohen Kosten die Bauern nicht selten in den finanziellen Ruin. Diejenigen, die unsere Lebensmittel anbauen und produzieren – die Kleinbauern und Plantagenarbeiter, sind zugleich diejenigen, die am stärksten von Armut und Hunger betroffen sind.[14] Das sollte einem doch zu denken geben. Und die großen Konzerne machen einfach weiter wie zuvor. Frei nach dem Motto: Wer die Macht hat, hat das Recht.

Auf Facebook liken


[1] Vgl. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/die-groessten-lebensmittel-konzerne-a-982323.html

[2] Vgl. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/die-groessten-lebensmittel-konzerne-a-982323.html

[3] Vgl. https://netzfrauen.org/2015/04/10/die-macht-der-lebensmittel-giganten-diese-mega-konzerne-kontrollieren-unsere-nahrung/

 

[4] Vgl. https://netzfrauen.org/2015/04/10/die-macht-der-lebensmittel-giganten-diese-mega-konzerne-kontrollieren-unsere-nahrung/

[5] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/

[6] Vgl. https://netzfrauen.org/2015/04/10/die-macht-der-lebensmittel-giganten-diese-mega-konzerne-kontrollieren-unsere-nahrung/

[7] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/

 

[8] Vgl. https://netzfrauen.org/2015/04/10/die-macht-der-lebensmittel-giganten-diese-mega-konzerne-kontrollieren-unsere-nahrung/

[9] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/

[10] Vgl. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/die-groessten-lebensmittel-konzerne-a-982323.html

[11] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/

[12] Vgl. https://netzfrauen.org/2015/04/10/die-macht-der-lebensmittel-giganten-diese-mega-konzerne-kontrollieren-unsere-nahrung/

[13] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/

[14] Vgl. https://netzfrauen.org/2016/05/27/die-macht-der-lebensmittel-giganten/