Amerikas Schuld am Syrienkrieg

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von Norbert Zerr

Aus einer friedlichen Demonstration gegen das syrische Herrschaftssystem unter Führung von Präsident Baschar al-Assad hat sich inzwischen ein brutaler Bürgerkrieg entwickelt.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen und was sind die Gründe dafür?

Bereits Baschar al-Assads Vater Hafi war ein diktatorischer Herrscher. Folter war auch bei ihm ein gängiges Mittel der Unterdrückung. Die syrischen Zustände sind also nicht neu.

In Syrien prallen die Gegensätze nur so aufeinander. Die Armut und die sozialen Ungerechtigkeiten haben beispielsweise zugenommen. Oder auch religiöse Ansichten klaffen weit auseinander. Die Bevölkerung träumte durch anfänglich angestoßene Reformen von einem besseren Leben. Doch daraus wurde nichts.

Die Gegensätze und der absolute Herrschaftswille Assads waren zu groß.

Die Unruhen durch verschiedene Anstöße und auch die äußeren Einflüsse gegen das Assad-Regime nahmen ihren Lauf. Mafiöse Zustände schwächten das Land noch zusätzlich.

Seit 2011 tobt nun der syrische Krieg.  Die Auswirkungen schlagen sich mittlerweile  weit über die Grenzen Syriens nieder. (1)

Welche Rolle spielt Amerika bei dem Syrienkonflikt?

Syrien im Würgegriff der Weltmächte

Normalerweise sollte doch Amerika, ein Land das gern weltpolizeiliche Aufgaben wahrnimmt, bestrebt sein sich für Frieden einzusetzen. Immerhin ist der scheidende Präsident Obama Träger des Friedensnobelpreises. Er wurde damals, 2009 in Oslo, „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen Völkern zu stärken“ ausgezeichnet. (2) Wie passt das zur aktuellen Situation und zum Verhältnis zu Syrien?

Die „Hassliebe“ zwischen Russland und Amerika muss an dieser Stelle nicht extra erörtert werden. Beide Staaten verbinden mehr Spannungen als diplomatische Beziehungen. (3)

Während al-Assad den russischen Präsidenten Putin als Unterstützer bezeichnen kann, bietet Amerika dazu den Gegenpol. Obama ging noch weiter und sprach seine Warnungen gegenüber Russland aus und kritisierte die militärische Unterstützung des „mörderischen Regimes“. Wir wissen ja, wie empfindlich Regierungschefs auf Kritik reagieren können. Dass Wladimir Putin Kritik von seinem amerikanischen Amtskollegen eher als Angriff auf seine persönliche Ehre versteht, kann angenommen werden.

Diese schwierigen Konstellationen zwischen den USA und Russland und dem eher kontraproduktiven Verhältnis der beiden Großmächte zu Syrien, sind ein guter Nährboden für noch mehr Spannungen. Das wiederum kann bedeuten, dass die jeweilige Interessenlage den tobenden Krieg in Syrien noch weiter ausbreitet und der Brutalität keine Grenzen mehr gesetzt sind. (4)

Der große Rachefeldzug gegen die IS-Terrormiliz

Hier sind sich die Großmächte und Syrien einig. Die IS-Terrormilz muss bekämpft werden. Jedes Mal, wenn die IS (Islamische Staat) zuschlägt und es massenhaft Todesopfer gibt, wird der öffentliche Ruf nach mehr Sicherheit und Bekämpfung der Terroristen lauter.

Diese emotionale Lage in der Weltbevölkerung erleichtert natürlich den gemeinsamen Kampf der Nationen gegen diese weltweit agierende Terrororganisation. Selbst die Türkei bietet Amerika inzwischen Unterstützung im Kampf gegen die IS-Terroristen an. (5)

Russland hingegen unterstützt das Assad-Regime im Kampf gegen die IS-Rebellen. (6)

In diesem Punkt hätte man nun im Kampf gegen die IS-Terroristen ein gemeinsames Ziel. Doch der Widerspruch steckt darin, dass Russland Assad halten und die USA ihn seit Jahren stürzen wollen.

Die USA als Kriegstreiber in Syrien

Der Westen, allen voran die USA, will also Syrien von Assad und seinem Regime befreien.

Der  Syrien-Experte Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur arabischen Welt an der Universität Mainz, macht deshalb auch Amerika für die katastrophalen Zustände in Syrien verantwortlich. Die Eskalation schreitet fortlaufend voran. Assad-treue Syrier und Russen bombardieren Aleppo. Aleppo ist nach Damaskus die zweitgrößte Stadt Syriens. Ihre Kampfeinsätze richten sich dort gegen die zurückschlagenden Rebellen.

Amerika und die Rebellentruppe kämpfen an der gleichen Seite mit dem gleichen Ziel. Im Visier haben sie den Staatschef Assad und seine Anhänger. Offiziell bekennen sich die Amerikaner natürlich nicht dazu. Ein Kommandeur der Nusra-Front, der die brutalsten islamistischen Terrorkämpfer angehören, bestätigte sogar nach Aussage des Syrien-Experten, dass sie von den USA unterstützt und mit Waffen beliefert werden. (7)

Die Experten der Universität Mainz sind sich einig darüber, dass die USA die Hauptverantwortung für die syrische Katastrophe tragen. Das Interesse der USA ist es wie erwähnt, den Diktator Assad zu stürzen. Dafür muss die US-Regierung, wie man erkennen kann, sehr trickreich und flexibel sein. Eigentliche Gegner werden im Kampf um das gleiche Ziel plötzlich zu Verbündeten. Bereits seit 2006 wird der Plan, Syriens Staatschef al-Assad zu stürzen, durch Einflussnahme auf Golfstaaten und die Unterstützung von Terroristen durch Amerika massiv vorangetriebenen. Erst langsam wird auch der US-Regierung bewusst, welche Gefahren in Assads Sturz stecken könnten. Dass  danach, sollte es soweit kommen, eine stabile Lage hergestellt wird, ist eher unwahrscheinlich. Die USA können diesbezüglich auf genügend alte Erfahrungen zurückgreifen. (8)

Anstatt Weltpolizei nun Geburtshelfer des IS-Terror

Einst hielt Obama den Militärschlag gegen Assad für wichtig, dann wieder nicht. Die Dringlichkeit scheint jedoch für die Amerikaner wieder gegeben zu sein. Sonst würden sie nicht den Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime behilflich sein. Gleichzeitig will Obama mit seinem Land nicht mehr die Weltpolizei spielen. Die Vorstellungen der Amerikaner nach ihren Diktatoren-Bashings wurden ohnehin nie erfüllt. Stattdessen wurde der IS-Terror geboren, der nun im Westen und den eigenen Gebieten überall für Unruhen und Anschläge mit zahlreichen Todesopfern sorgt. Hin und wieder muss man sich fragen, was denn unsere Verbündeten über dem großen Teich eigentlich wollen und was sie letztendlich von ihren Kampfaktionen haben?

Wir können hier in Deutschland nur hoffen, dass wir als Verbündete und Freunde der USA nicht auch noch dafür mit grausem Terroranschlägen rechnen müssen!

Diese Krisenherde verursachen nur menschliches Leid, Flüchtlingswellen und Unruhen auch in dem sonst so friedliebenden Europa. Wenn Deutschland deswegen ständig nun auch noch zwischen die Fronten gerät, ist anzunehmen, dass wir mit  unruhigen Zeiten und Terroranschlägen rechnen müssen.

Wir können nur gespannt sein, wie es mit dem Obama-Nachfolger weiter geht.

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(1)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-alle-wichtigen-fakten-erklaert-endlich-verstaendlich-a-1057039.html#sponfakt=1

 

(2)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/auszeichnung-friedensnobelpreis-fuer-barack-obama-a-654115.html

 

(3)

http://www.rp-online.de/politik/ausland/die-spannungen-in-den-amerikanisch-russischen-beziehungen-bid-1.3590728

 

(4)

https://de.sputniknews.com/politik/20160714311400633-russland-syrien-beziehungen/

 

http://www.focus.de/politik/videos/nur-ohne-assad-mit-diesen-worten-macht-obama-zunichte-was-putin-fuer-syrien-ausheckte_id_4977902.html

 

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-08/aleppo-barack-obama-usa-wladimir-putin-russland-syrien

 

http://www.merkur.de/thema/islamischer-staat-org187056/

 

(5)

http://www.merkur.de/thema/islamischer-staat-org187056/

 

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/tuerkei-will-mit-usa-die-is-terrormiliz-in-syrien-bekaempfen-14425183.html

 

(6)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-verstaerkt-militaerhilfe-fuer-baschar-al-assad-a-1064935.html

 

(7)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-alle-wichtigen-fakten-erklaert-endlich-verstaendlich-a-1057039.html#sponfakt=10

 

http://app.wiwo.de/politik/ausland/syrien-experte-guenter-meyer-amerika-ist-verantwortlich-fuer-diese-katastrophe/14628278.html?mwl=ok

 

http://de.euronews.com/2016/09/22/interview-mit-assad-usa-wollen-nicht-gegen-terroristen-in-syrien-kaempfen

 

(8)

http://blauerbote.com/2016/09/05/wissenschaftler-usa-schuld-an-krieg-in-syrien/

 

http://www.focus.de/panorama/videos/syrien-ukraine-suedchina-rueckzug-aus-den-krisenherden-warum-die-usa-keine-weltpolizei-mehr-sein-wollen_id_6038482.html

 

(9)

http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-im-syrien-konflikt-weltpolizei-wider-willen-1.1759542