Fukushima: Der Super-GAU ist noch lange nicht vorbei

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Am 11. März 2011 kommt es in Japan zum Super-GAU: Ein Tsunami zerstört das Atomkraftwerk von Fukushima. Bis heute tritt radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Reaktor, die Zone ringsum ist geisterhaftes Sperrgebiet. Noch immer kämpfen die Menschen vor Ort ununterbrochen gegen die Kernschmelze in den zerstörten Reaktorblöcken.

Seit sechs Jahren kann eine der am höchsten entwickelten Industrienationen der Welt die Verschlimmerung des atomaren Super-GAUs nicht verhindern: Die vier zerstörten Reaktoren von Fukushima verseuchen täglich etwa 350 Kubikmeter Kühlwasser,  das zum Teil in den Boden absickert und ins Grundwasser eindringt.

Rund 400 Tonnen atomarer Brennstoff lagern noch in den Reaktorblöcken. Wenn die weitere Kernspaltung des Brennstoffes nicht ausreichend gekühlt werden kann, könnte durch die Erhitzung der Boden schmelzen und eine Dampfexplosion auslösen. Dann droht tausenden Menschen der Strahlentod – und eine noch größere atomare Verseuchung als bei der Katastrophe von Tschernobyl. Experten schätzen, dass der Abbau der Anlage rund 40 Jahre dauern wird. Die geschätzten Kosten liegen bei mindestens 150 Milliarden Euro.

Japan will 2020 Olympische Spiele ausrichten – auch in Fukushima

Die japanische Regierung möchte anscheinend „beweisen“, dass Fukushima keine Gefahr mehr darstelle. Weder für ihr eigenes Land, noch für die Welt.

Unglaublich, aber wahr: 2020 wird das Fukushima Azuma Baseball Stadium Austragungsort der Olympischen Spiele in Japan. Angesichts der Tatsache, dass die Strahlenwerte innerhalb des Kernreaktors im März 2017 so astronomisch hohe Werte erreicht haben, dass selbst in den Reaktor geschickte Roboter einfach zusammengeschmolzen sind, kann man das Verhalten der japanischen Regierung nicht einmal mehr als unverantwortlich bezeichnen – es ist der blanke Irrsinn, Harakiri vom feinsten.

Die ferngesteuerter Roboter, der in die zerstörte Anlage fahren sollte, musste  wieder herausgezogen werden, weil er auf Grund der hohen Strahlung nicht mehr funktionierte.  Experten berichteten der Japan Times, die Strahlung habe eine „unvorstellbare“ Höhe erreicht.

Globale Lage nach sechs Jahren mehr als alarmierend

Ein Jahr nach der Katastrophe, wurden 73 Sievert pro Stunde gemessen. Neue Messungen hingegen zeigten 650 Sievert pro Stunde. Ein Sievert allein würde beim Menschen zur Strahlenkrankheit führen, wohingegen eine Dosis von 10 Sievert innerhalb weniger Wochen den Tod zur Folge hätte. Laut Empfehlungen der Internationalen Kommission für Strahlenschutz CIPR dürfen Arbeiter auf der Anlage keinen höheren Dosen ausgesetzt sein als 20 Millisievert, und das pro Jahr!

Die japanische Firma Tepco ist seit 2011 mit den Aufräumarbeiten und der Wiederherstellung der Anlage beschäftigt. Die radioaktive Strahlung machte eine Zone von mehr als 780 km² rund um die Nuklearanlage unbewohnbar. Und auch sechs Jahre nach der Atomkatastrophe fließt immer noch kontaminiertes Wasser dauerhaft ins Meer. Millionen Kubikmeter verseuchter abgetragener Erde stehen in großen Säcken verpackt herum.

Tonnen radioaktives Kühlwasser ergießen sich Tag für Tag in den Pazifik

Tausende von Tonnen verstrahlten Kühlwassers sind im Atomkraftwerk Fukushima angefallen. Das radioaktive Kühlwasser fließt Tag für Tag ungehindert in den Pazifik. Vor der Küste Kaliforniens wurden Thunfische gefangen, die nachweisbar durch radioaktiv kontaminiertes Wasser aus Fukushima verstrahlt wurden.

Die Firma Tepco muss die drei geschmolzenen Reaktorkerne ständig mit Wasser kühlen. Dampfwolken lassen erkennen, dass die Kernspaltung immer noch stattfindet. Aber niemand weiß genau, in welchem Zustand sich die Reaktorkerne tatsächlich befinden, da der Zugang in die Reaktoren unmöglich ist.

Zum Vergleich: Die bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986 freigesetzte Radioaktivität erreichte Kalifornien innerhalb von zehn Tagen. Die 2011 in Fukushima freigesetzte Radioaktivität kam schon nach weniger als einer Woche dort an.

Japanische Regierung handelt unverantwortlich

Japan exportiert Fische, Meeresfrüchte und Fischerzeugnisse und setzt damit die Welt einer zusätzlichen Gefahr aus. Wie können diese unbedenklich sein, wenn die radioaktiv Strahlung in Fukushima derzeit so hoch ist, wie seit der Katastrophe nicht mehr? Wenn Tonnen radioaktiven Kühlwassers nicht nur die japanische Küste kontaminiert, sondern mittlerweile den gesamten Pazifik verseucht haben? Auch Deutschland trägt eine Mitschuld, in dem es Fisch und Fischerzeugnisse aus Japan importiert, während in Taiwan Tausende gegen den Import von Nahrungsmitteln aus Fukushima protestieren.

Das Gebiet wird für viele Jahrhunderte unbewohnbar bleiben, wahrscheinlich sogar noch länger. Rund um Fukushima existiert eine Sperrzone, Fotografieren wird mit hohen Geldbußen und Inhaftierung bestraft. Zu groß ist die Angst, die Realität gegenüber der Öffentlichkeit preiszugeben. Fotografen die es trotzdem geschafft haben, zeigen Bilder, die einer Geisterstadt ähneln.

Die trügerische Sicherheit der Atomenergie

Die Politik betont immer wieder, wie sicher Kernkraftwerke sind und wie sauber Atomenergie ist. Kommt es dann doch zu Zwischenfällen oder Katastrophen, sind die Folgeschäden so groß, dass diese Form der Energiegewinnung für die Menschheit in keinster Weise mehr sinnvoll oder von Nutzen ist.

Deutschland ist weltweit das erste Land, das nach der Katastrophe von Fukushima den Komplettausstieg aus der Kernenergie wagt. Wenige Tage nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima verkündet die Bundesregierung ein dreimonatiges Atom-Moratorium. Im Juni 2011 kam es dann zur grundlegenden Entscheidung für den Atomausstieg. Bis zum Jahr 2022 sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden und die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Die Energiewende geht – mehr oder weniger schleppend – voran. Um das System der Energieversorgung grundlegend neu aufzustellen, braucht es Zeit. Vor- und Nachteile werden von den unterschiedlichen beteiligten Interessengruppen kontrovers diskutiert.

Japanische Regierung verrät die Opfer der Katastrophe

Trotz großer Probleme wie der Entsorgung der riesigen Mengen an verstrahltem Wasser und Boden sollen nach dem Willen der Regierung die früheren Bewohner einiger umliegender Gebiete zurückkehren. Durch die großflächigen Dekontaminierungsarbeiten der vergangenen Jahre sei es angeblich wieder sicher, dort zu leben.

Der Staat und Tepco wollen auf diese Weise die hohen Entschädigungen an die Betroffenen einsparen. „Die japanische Regierung verrät die Opfer der Katastrophe und stellt Konzerninteressen über das Wohl der Menschen”, sagte die Atomexpertin von Greenpeace. „Die Folgen des Super-GAUs von Fukushima für die Umwelt werden noch Hunderte Jahre dauern“.

So ist laut Greenpeace die in umliegenden Wäldern gemessene Strahlung vergleichbar mit dem derzeitigen Strahlenniveau innerhalb der 30-Kilometer-Sperrzone von Tschernobyl. Trotzdem solle die Evakuierungsverfügung jetzt für einen Großteil der Gemeinden aufgehoben werden. Ein Jahr später fallen dann auch noch die Kompensationszahlungen für die ehemals 6000 Bewohner weg.

Nach einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung unter rund 300.000 Kindern unter 18 Jahren in Fukushima wurde bisher bei 116 Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Bei 50 gebe es einen Verdacht. Doch sei es “unwahrscheinlich”, dass die AKW-Katastrophe schuld sei, hieß es von Seiten der Regierung. Japanische „Atomexperten“ behaupteten, dass der Genuss von Lebensmitteln aus Fukushima, die in den Handel kommen, unbedenklich sei. Die Lebensmittel würden genauestens geprüft. “Sie sind sicher, und das sage ich mit voller Überzeugung”, erklärte ein Sprecher der University of Tokyo.

Das Ende des japanischen Atomausstiegs

Die japanische Regierung 2012 plante zunächst, bis 2030 komplett aus der Atomenergie auszusteigen. Japan versuchte, einen anderen Weg als Konsequenz der Katastrophe zu gehen und wollte sich verstärkt auf fossile Brennstoffe konzentrieren. Japan verfügt jedoch selbst über so gut wie keine Ressourcen an Kohle, Öl und Erdgas. Japan musste deshalb seit 2011 verstärkt fossile Brennstoffe importieren und war 2012 nach China der zweitgrößte Importeur. Der Import stieg innerhalb von zwei Jahren um 24 % und damit waren die Kosten für die japanische Wirtschaft zu hoch. Die Regierung in Tokio beendete deshalb den Atomausstieg und schlossen die meisten der 54 japanischen Reaktoren wieder ans Netz.

Radioaktivität von Fukushima erreicht amerikanische Küsten

Während in Japan  erstmals ein Fall von Schilddrüsenkrebs als Folge der Atomkatastrophe von Fukushima offiziell anerkannt wurde, wurde auf dem Seeweg befördertes Cäsium 134, der sogenannte „Fingerabdruck von Fukushima“, erstmalig an den US-Küsten festgestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=EKD4xpsSsqQ

Die Folgen sind bereits sichtbar. Die Tierärzte der  USA beklagen hohe Zahlen kranker Wildtiere. Seehunde und Seelöwen sterben in Massen an amerikanischen und kanadischen Küsten. Bei Eisbären, Seehunden und Walrossen an der Küste Alaskas wurden zunehmend offene Wunden beobachtet. Auch die Küstenbevölkerung, die gerne Fisch und Meeresfrüchte isst, macht sich Sorgen um ihre Gesundheit.

Wissenschaftler entnahmen 2016 an verschiedenen Stränden Meereswasserproben und stellten eine Kontamination mit Cäsium 134 fest. Auch im Landesinneren von Kanada gelegenen Seen hatten Forscher des Projekts Fukushima InFORM in Rotlachsen Cäsium 134 festgestellt.

Welches Katastrophe der Gau von Fukushima weltweit angerichtet hat, scheint die japanische Regierung zu ignorieren. Produkte aus der Region Fukushima werden weiterhin exportiert. Nach Angaben der New York Times wurde radioaktiv verstrahlter grüner Tee von Tokio nach Hongkong verschifft.

Die Lösung: Ausstieg aus der Atomenergie

Jeden Tag strömen bei Fukushima weitere Tonnen radioaktiv verstrahlten Wassers in den Pazifischen Ozean. Die Radioaktivität wird sich also weiter ungehindert ausbreiten und mit der Zeit auch in unsere Nahrungskette gelangen. Wenn die Sicherung der Anlage von Fukushima 40 Jahre dauern soll, sind bis dahin alle Ozeane des Planeten radioaktiv verseucht. Unzählige Menschen werden an Krebs erkrankt und gestorben sein. Dies sind die Folgen einer bisher nie dagewesenen Atomkatastrophe, die weiter vertuscht wird.

Daher ist der rasche Ausstieg aus der Atomenergie und die kompromisslose Energiewende hin zu erneuerbaren, alternativen und umweltfreundlichen Energien zwingend und schnellstens notwendig – und zwar auf dem gesamten Globus.

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