SKANDAL um Glyphosat und die EU-Kommission

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Kalifornien nimmt Glyphosat jetzt auf die “Schwarze Liste” auf. Ein Alarmzeichen.

Schon 2015 stellte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Organisation der Weltgesundheitsorganisation WHO, eine vielbeachtete wissenschaftliche Arbeit über insgesamt 5 Pestizide vor. Dabei ging es auch um das beliebteste Gift, Glyphosat. Das Ergebnis der Untersuchung ließ aufhorchen: Glyphosat sei in höchstem Maße verantwortlich für die Entstehung von Krebs.

Das Ergebnis wird nicht überall so gesehen: So etwa vom sogenannten Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Deutschland. Es konnte den Verdacht ncht bestätigten, misst jedoch auf andere Weise als die Organisation der Weltgesundheitsorganisation, die wiederum ausschließlich freie Spezialisten einsetzt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht bis jetzt allerdings keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs. Jedoch geht das BfR bei seinen Glyphosat Studien anders vor, als die IARC der WHO. Denn die Arbeitsgruppen der WHO bestanden nur aus unabhängigen Experten.

Denn keiner der Wissenschaftler, der bei der Evaluierung der IARC Studie beteiligt war, durfte bei der Entwicklung beim Hersteller der Chemikalien beschäftigt sein. Beim Hersteller Beschäftigte konnten allenfalls eine Beobachterfunktion haben und durften nicht auf die Arbeitsgruppen Einfluss nehmen. Dies handhabt aber die deutsche Regierung ganz anders. Das spielt jedoch bei der Evaluierung eine große Rolle.

 

Eine „Untersuchung“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2016 kam indes überraschend zu dem Schluss, dass „das Glyphosat nicht krebserregend sei“;  „es brauche lediglich klare Grenzwerte in der Anwendung.“ Aufgrund dieser Aussage verlängerte die EU-Kommission wiederum die Zulassung bis 31.12.2017. Vorläufig.

 

EU-Kommission: „Glyphosat ist nicht krebserregend“

In den kommenden Monaten muss aber von der EU neu entschieden werden, ob Glyphosat weiter in Europa verwendet werden darf oder nicht. Die Risikobewertung hängt von europäischen Behörden ab. Dabei sieht nicht nur das BfR kein nennenswertes Krebsrisiko mit Glyphosat. Auch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, die EFSA sieht keine Hinweise auf eine krebserregende Wirkung von Glyphosat. Die Europäische Chemikalienagentur Echa kommt zum gleichen Schluss: Es gebe keinen Grund zur Besorgnis.

 

Lobbyorganisationen beeinflussen Behörden

Wie jetzt durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung bekannt wurde, hat die Pestizid Industrie Einfluss auf die Echa genommen. Eine Lobbyorganisation der Industrie konnte die Untersuchungsergebnisse der Risikoprüfer vor Veröffentlichung einsehen und „kommentieren“. Genauer gesagt war es der US Agrochemie-Konzern Monsanto, der Glyphosat herstellt und vertreibt, der seinen „Kommentar“ an die Echa gegeben hat. Immer wieder werden Studien im Auftrag von Monsanto herausgegeben, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Glyphosat „beweisen“. Beim genaueren Hinsehen kommt allerdings heraus, dass die Forscher bei Monsanto beschäftigt waren.

 

Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“ gegen Glyphosat Zulassung

Eine Untersuchung der europäischen Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“ (http://bit.ly/2s2nab8) hat ergeben, dass Monsanto mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, das Glyphosat Verbot durch die EU zu verhindern. Der Bericht kann hier nachgelesen werden: http://bit.ly/2s2vaZu. Auch die Umweltorganisation Gobal 2000 hat Vorwürfe gegen die EU-Kommission wegen der Zulassungsverlängerung von Glyphosat erhoben und bezieht sich dabei auch auf die Untersuchungsergebnisse des US-amerikanischen Forschers Portier. Sie ruft ebenfalls Bürger auf, ihre Stimme gegen die Zulassung von Glyphosat abzugeben: http://bit.ly/2rJCqdy. Bislang haben 800.000 Menschen unterschrieben. Es sind aber eine Million Unterschriften notwendig, damit die EU-Kommission ihre Entscheidung neu bewerten muss.

 

US-Forscher fordert neue Risikobewertung durch unabhängige Studien

Denn jetzt sind von einem US-amerikanischen Experten für Chemikaliensicherheit neue Bedenken in Bezug auf die Risikobewertung von Glyphosat publiziert worden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat der amerikanische Professor Christopher Portier in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsident Juncker schwere Vorwürfe gegen BfR, Echa und Efsa erhoben. Er fordert eine neue, unabhängige Untersuchung innerhalb der EU.

Portier stützt seine Risikobewertung von Glyphosat auf unabhängige Tierstudien. Er war 2015 bei der ersten offiziellen Bewertung von Glyphosat durch die IARC der WHO beteiligt. In bis zu sieben Studien hat Portier eindeutige Hinweise darauf gefunden, dass Glyphosat krebserregend ist. Bei den Versuchstieren ist das Auftreten von Krebstumoren nach Fütterung mit Glyphosat behandeltem Getreide signifikant gestiegen. Weder Efsa, noch Echa noch das BfR hätten diese Untersuchungsergebnisse bei Ihrer Entscheidung über die Zulassung von Glyphosat berücksichtigt, so Portier.

 

EU-Behörden handeln fahrlässig, wenn sie Glyphosat zulassen

Diese massive „Fehleinschätzung“ durch die EU Behörden könne eine sehr ernste Gefährdung für die europäische Bevölkerung bedeuten, sagte Portier der Süddeutschen Zeitung. Seine Untersuchungsergebnisse legen den Verdacht nahe, dass die Behörden ihre Entscheidung über die Zulassung von Glyphosat auf die Studienergebnisse von Monsanto stützen – und nicht auf unabhängige Studien. Die Frage, ob Monsanto auch diese Behörden „finanziell unterstützt“, ist in diesem Kontext naheliegend.

 

EU-Kommission sieht keinen Anlass Glyphosat zu verbieten

Bislang hat die EU-Kommission keine öffentliche Stellung zu Portiers Vorwürfen genommen. Sie hat lediglich den Erhalt seines Schreibens bestätigt. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte aber so viel, dass es für die Kommission keinen Anlass gebe, die Bewertungen von Glyphosat noch einmal vorzunehmen. Denn auch Behörden in Ländern wie Kanada oder Australien seien zu dem gleichen Ergebnis wie die europäischen Behörden gekommen. Demnach sei Glyphosat nicht krebserregend. Es brauche lediglich klare Grenzwerte in der Anwendung.

Die Echa behauptete jetzt, die von Portier zitierten Studien in der Bewertung von Glyphosat berücksichtigt zu haben. Die Efsa kündigte an, noch offiziell Stellung zu den Vorwürfen nehmen zu wollen. Man müsse die Sachverhalte aber erst eingehend prüfen. Sollten sich neue Erkenntnisse durch die unabhängigen Studien ergeben, könne die EU die Echa beauftragen, eine neue Risikobewertung vorzunehmen.

Bislang hat die EU die Daten, auf die sich ihre Bewertung stützt, nicht veröffentlicht. Dies hat Portier aber nun gefordert. Es ist aber unwahrscheinlich, dass dies geschieht, denn Monsanto wird es zu verhindern wissen.

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