+++ Frankfurter Buchmesse: Macron setzt Europa-Pathos fort – Buchbranche sieht Gefahr im neuen Gesetz zum Urheberrecht+++

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11.10.2017 Watergate Redaktion

Die Frankfurter Buchmesse steht dieses Jahr ganz im Zeichen von Frankreich, das das Gastland der Buchmesse ist. Frankreichs Präsident Macron eröffnete mit Kanzlerin Merkel die Buchmesse. Merkel präsentierte ihre Raute und allzeit gewohnte Gelassenheit, Macron setzte seinen Europa Pathos fort und forderte die Überwindung der Nationalismen aus dem Geist der Sprachen. Der Europäische Kontinent müsse von Grund auf neu geordnet werden, so die Worte in seiner Begrüßungsansprache.

Merkel lobte Macrons Europa Rede in der Pariser Sorbonne als wegweisend. Sie bekräftige das gute deutsch-französische Verhältnis: Schon Adenauer hätte gesagt, ohne Frankreich und Deutschland gebe es kein vereintes Europa.

Macron nutzte die Gelegenheit, die Qualität deutsch-französische Freundschaft herauszustellen. Frankreich und Deutschland hätten tief verwurzelte Gemeinsamkeiten. Den Bogen schlug er von Goethes Faust zu der ins Französisch übersetzte Version von Gérard de Neval, die Macron „wie ein neues Buch“ gelesen habe.

Durch Sprache und hervorragende Übersetzungen von Büchern sei der Dialog zwischen den Nationen nie abgerissen. Europa bestehe nicht nur aus Demokratie und Marktwirtschaft sondern vor allem aus einem fundamentalen gemeinsamen Wert, der Kultur. Es gehe in Europa nicht darum, die Kultur des anderen anzugreifen, sondern den Kern der Gemeinsamkeiten zu schützen, so Macron.

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sprach vor Merkel und Macron und forderte Merkel unmissverständlich auf, für die Verteidigung des freien Wortes zu kämpfen. Die jüngst beschlossene Neuregelung des Urheberrechts gefährde diese Freiheit. Riethmüller appellierte wörtlich an Merkel: „Stoppen Sie den Ausverkauf des Urheberrechts!”.

Damit bezog sich Riethmüller auf das neue Gesetz zum Urheberrecht, das Anfang Juli 2017 in Kraft trat. Das neue Urhebergesetz soll die Nutzung von Fachliteratur von bislang geschützten Werken für Wissenschaftler und Studierende frei zugänglich machen. Werke sollen lizenzfrei genutzt werden können.

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte das Gesetz auf den Weg gebracht. Verlage sowie der Justiziar des Börsenvereins  des deutschen Buchhandels hatten vehement vor dem Gesetz gewarnt. Das Gesetz fördere das Verlagssterben und enteigne Urheber. Der funktionierende Publikationsmarkt werde dadurch zerstört. Investitionen würden sich nicht mehr lohnen, da eine vorgesehene angemessene Vergütung nicht mehr möglich sei. Verlage sehen in dem Gesetz einen Verfassungsbruch durch eine Enteignung ohne Entschädigung.

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