»Aids made in USA« – Verschwörungstheorie oder Realität?

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Nur wenige Verschwörungstheorien halten sich so lange wie diese, dass die Amerikaner das Aids-Virus in einem Labor quasi »erfunden« hätten. Was ist dran an dieser These?

 Aids – Made in USA?

Am 18. Februar 1987 veröffentlichte die taz ein Interview mit dem Ostberliner Biologen Jakob Segal.

Schon der Titel verriet Verschwörerisches: »Aids. Man Made in USA«. Der Inhalt des Interviews kurz zusammengefasst: Das Aids-Virus sei im amerikanischen Militärforschungsinstitut Fort Detrick »gezüchtet« worden und bei einem Laborunfall entwichen. Aids sei also eine »Erfindung« der USA.

Natürlich schlug diese »Neuigkeit« ein wie eine Bombe! Sie geistert bis heute in einschlägigen Foren und Publikationen.

Was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Jakob Segal war ein IM der Sowjets und ein Kontaktmann des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi).

Codename »Infektion«

Unter den Codenamen »Infektion« und »Vorwärts II« war die ungeheuerliche Behauptung nichts Weiteres als eine bewusste Desinformation östlicher Geheimdienste.

Dies allerdings kam erst Anfang der 1990er Jahre an die Öffentlichkeit, als man Zutritt zu den Stasiarchiven hatte.

Zudem war die taz als »Stasi-Medium« äußerst nützlich gewesen, um die »Aids-Verschwörungstheorie« in der westlichen Welt zu verbreiten. Immerhin hatte sie damals ein starkes Gewicht in der oppositionellen und linken Szene der Bundesrepublik.

Segals Aids-Theorie wurde von der Fachwelt, ganz anders als in Verschwörungsforen, nicht ernst genommen, da er – neben zahlreichen Unstimmigkeiten – selbst nie klinische Studien betrieben hatte. Sein Wissen stammte vornehmlich aus Zeitungen und Fachpublikationen.

Und Segal selbst? Er bestritt bis zu seinem Tod im Jahr 1995 »im Auftrag der Stasi« gehandelt zu haben und blieb seiner These treu.

Aids-Konterpropaganda

Der damalige russische Geheimdienst (KGB) und auch die Auslandsabteilung der Stasi taten alles dafür, die »Aids-Theorie« am Leben zu erhalten: Auf der Konferenz der blockfreien Staaten in Harare, Simbabwe, streuten sie diese erneut unter die Teilnehmer. Die afrikanischen Staatsführer nahmen sie dankbar auf.

Erst einige Zeit später untersagte Michail Gorbatschow das weitere Engagement in Sachen Aids-Konterpropaganda.

Die taz gab erst 23(!) Jahre später zu, die Stasi-Lüge unters Volk gebracht zu haben. Insgesamt arbeiteten drei Spitzel der Stasi bei dem Blatt.

Ziel der Geheimdienstkampagne war es, das weltweite Image der USA zu beschädigen. Dafür war jedes Mittel recht. Auch die Lancierung einer Verschwörungstheorie, die bis heute in der Welt geistert: Eine Laborhavarie in einem US-Geheimlabor hätte zur Entstehung von Aids geführt. Auf diese krude These hatten sich der sowjetische Geheimdienst und das Ministerium für Staatssicherheit bereits im Jahr 1986 geeinigt …

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