+++ Grüne finden Gentechnik auf einmal nicht mehr so schlimm +++

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Bislang haben sich die Grünen gegen die Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen gewehrt. Wir meinen zu Recht. Seit jeher war das Motto der Grünen „Nein zur Gentechnik“ in der Agrarindustrie. Sie gefährde Gesundheit und Umwelt. Auch im Wahlprogramm 2017 schrieb die Partei, dass der Nachweis für die Unbedenklichkeit gentechnisch veränderter Pflanzen noch immer fehle.

Doch jetzt scheint sich die Partei der Grünen darüber nicht mehr so sicher zu sein. In einem „Impulspapier“ schrieb der Bundesvorstand des Parteivorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, dass die Grünen bis 2020 ein neues Grundsatzprogramm erstellen wollen. „Biotechnologie, Nanotechnologie und Gentechnik können Krankheiten ausrotten, heilen oder Leben verlängern – theoretisch sogar den Tod überflüssig machen“, heißt es in dem Papier. Es müsse hinterfragt werden, ob Gentechnik nicht helfen könne, die Versorgung der Menschen trotz des Klimawandels zu garantieren.

Der Bundesvorstand der Grünen scheint mit dieser Meinung bislang allerdings alleine dazustehen. Denn von der Parteibasis regte sich bereits Widerstand. Ein weiterer zentraler Punkt des Parteiprogramms war die Diskussion um die Neonikotinoide, eine Gruppe von Insektiziden, die alle Insekten ausrottet. Darin stimmten die Grünen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) zu, wonach die Insektizide die wesentliche Ursache für das Bienensterben sind.

Die Glaubwürdigkeit der Grünen muss jedoch in Frage gestellt werden, denn ihre Faktentreue reicht nur so weit, wie sie gerade der politischen Lage dienlich ist. So sorgten die Grünen für einen handfesten Skandal, als sie während der Jamaika-Verhandlungen mit FDP und Union hinter den Kulissen für eine Verlängerung von Glyphosat in der EU stimmten.

Jetzt hat der Parteivorstand die Debatte um die Gentechnik neu angestoßen. Die grünen Hardliner sind nach wie vor gegen Gentechnik. Die Parteibasis bleibt, ganz im Gegensatz zur Parteispitze dabei, dass Agrochemiekonzerne wie Monsanto Gentechnik nur nutzen, um genveränderte Pflanzen herzustellen, die vermeintlich gegen Unkräuter resistent sind.

Diese Behauptung hat sich hinlänglich als falsch herausgestellt, denn die Felder mit genveränderten Pflanzen müssen heute massiv mit Glyphosat besprüht werden, um das Wachstum von Super-Unkräutern zu hemmen. Zwar überleben die Gen-Pflanzen die Glyphosat-Duschen, jedoch wird die Umwelt dadurch zerstört. Denn es müssen immer größere Mengen des Pflanzengiftes versprüht werden, um die „Unkräuter“ in Schach zu halten.

In den USA gelten gentechnisch veränderte Pflanzen, bei denen Mutationen in die Gene eingefügt wurden, vor dem Gesetz bereits als nicht mehr gentechnisch verändert. In Europa sahen dies einige Landesbehörden genauso, darunter auch das Amt für Lebensmittelsicherheit in Deutschland. Umweltschützer hatten dagegen geklagt. Der Europäische Gerichtshof muss nun entscheiden, ob solche Gentechnik-Arten künftig mit oder ohne Zulassung und Kennzeichnung ausgesät und verkauft werden dürfen.

Die Partei der Grünen zeigt hier wieder sehr deutlich, dass sich ihre Umweltpolitik nach den politischen Strömungen und mit großer Wahrscheinlichkeit nach den Interessen der Industrie-Lobby richtet und nicht danach, ob Gentechnik und Pestizide Umwelt, Mensch und Tier schädigen.

 

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