+++ Skandal: Bundeswehr plante offenbar Chemiewaffen-Einsatz +++

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Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs hieß es von der damaligen Bundesregierung: Nie wieder Krieg und nie wieder ein Einsatz von Chemiewaffen. Das schwor die damals junge Bundesrepublik. Doch keine zwanzig Jahre später brach die Bundesregierung ihr Versprechen, fanden NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung in einer Untersuchung über Chemiewaffen in Deutschland heraus.

Entgegen aller Dementis hatte die Bundesregierung in den 1960er Jahren die Beschaffung und den Einsatz von Chemiewaffen geplant. Das belegen geheime Akten der Bundeswehr, die NDR, WDR und SZ einsehen konnten. 1961 stieß die Bundesregierung in einer geheimen Sitzung der NATO die Debatte über den Einsatz von Chemiewaffen an. Nicht nur die USA sollten die Fähigkeit der Abschreckung gegenüber Russland haben.

Damals im Kalten Krieg rechnete die NATO damit, dass Sowjetunion und die Warschauer-Pakt-Staaten im Fall eines Angriffs Chemiewaffen einsetzen würden. Die geheimen Bundeswehr Dokumente belegen, dass der damalige Verteidigungsminister von Hassel (CDU) die US-Regierung um die Belieferung mit chemischen Waffen bat. Das Pentagon war dazu bereit, das US-Außenministerium hatte jedoch Bedenken. Die Position der USA stand damit zur Diskussion. Schließlich entschieden die USA 1966, keine Chemiewaffen an die Bundesregierung zu liefern. Jedoch wurde die Möglichkeit offen gelassen, im Kriegsfall mit der Sowjetunion chemische Waffen zur Verfügung zu stellen.

Parallel plante ein kleiner geheimer Kreis von Bundeswehr-Offizieren in den Jahren 1962 bis 1968 einen möglichen Einsatz von Chemiewaffen – nach Rücksprache mit dem Verteidigungs- und Außenminister. Die Militärs schlugen vor, 14.000 Tonnen Chemiewaffen aus den USA für die Bundeswehr zu beschaffen und im Kriegsfall gegen die Staaten des Warschauer Pakts einzusetzen. 1966 wurde sogar eine streng geheime „Studiengruppe“ für ABC-Waffen gegründet. Das Team untersuchte Gefechte mit Chemiewaffen und simulierte diese in der Region um Braunschweig.

1968 entschied der damalige Verteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU), zunächst keine Vorbereitung für einen Einsatz von Chemiewaffen durch die Bundeswehr zu planen. Die Studiengruppe sollte dennoch weiter bestehen. Die vorliegenden Berichte wurden immer wieder dementiert, obwohl die Beweislage eindeutig ist: Die Bundeswehr plante nach dem Zweiten Weltkrieg doch wieder Einsätze mit Chemiewaffen. Der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) Wieck, nannte die Planungen plausibel und richtig, im Hinblick auf die Bedrohung durch den Warschauer Pakt.

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