Ältere Menschen erhalten oft einen gefährlichen Medikamentencocktail

Medikamentencocktail

Eine Untersuchung der Barmer Krankenkasse ergab, dass jeder fünfte Patient über 65 Jahre einen Medikamentencocktail vom Arzt verschrieben bekommt, über dessen wechselseitige Nebenwirkungen dieser meist wenig weiß. Bei der Vielzahl der Verordnungen verlieren viele Ärzte den Überblick. Dabei sind zudem oft Medikamente, die für ältere Menschen gar nicht mehr geeignet sind.

Dabei seien viele Risiken vermeidbar, wenn Ärzte Medikamentenpläne führen würden. Ärztliche Experten haben die Arzneimitteltherapien der Barmer-Versicherten analysiert. Der Arzneimittelreport beschreibt, dass jeder vierte fünf oder mehr Medikamente verschrieben bekommt. Oft sogar von drei oder mehr Ärzten. Dadurch steige das Risiko für eine gefährliche Mischung an Wirkstoffen.

Häufig werden Butdrucksenker sowie entwässernde Arzneimttel und Schmerzmittel gleichzeitig verschrieben. Durch die Wirkstoff-Mischung entsteht ein hohes Risiko eines akuten Nierenversagens. Obwohl viele Patienten über 65 eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, bekamen sie Medikamente gegen Krebs und Rheuma verschrieben. Diese dürften bei dieser Indikation nicht verschrieben werden.

Zudem verordnen Ärzte zu schnell Antibiotika. Bei Harnwegsinfekten wird häufig das Medikament Trimethoprim verschrieben, das gefährliche Nebenwirkungen hat. Viele der Betroffenen nehmen bereits andere Medikamente ein, was das Risiko einer Notfallbehandlung drastisch erhöht. Werden Blutverdünner gleichzeitig mit Aspirin eingenommen, drohen innere Blutungen.

Vor allem bei Hausärzten treten die Probleme auf. Denn sie müssen einen Überblick über die Gesamtmedikation ihrer Patienten, also auch über Verordnungen von Fachärzten haben. Dass sie einen Überblick über sämtliche Nebenwirkungen und Risiken von Medikamentencocktails haben, ist unrealistisch. Die Krankenkasse schlägt für Hausärzte ein System vor, aus dem sie die Verordnungen von allen Ärzten ihrer Patienten entnehmen können.

Nicht nur ein Mix aus mehreren Medikamenten ist gefährlich. Viele Medikamente haben per se lebensbedrohliche Nebenwirkungen. Stellt sich dies heraus, kann es dennoch oft Jahre dauern, bis das Präparat vom Markt genommen wird. Viele Nebenwirkungen werden zudem im Beipackzettel viel zu harmlos formuliert und werden daher meist gar nicht bei den Gesundheitsbehörden, Krankenkassen und Ärzten erfasst.

Jede sechste Medikamentenverordnung birgt die Gefahr gefährlicher Wechselwirkungen, sagt eine Studie der AOK. Jährlich kommen neue Medikamente auf den Markt, was den Überblick über die Medikation erschwert. Drei von tausend Patienten sterben durch die Verordnungen lebensgefährlicher Medikamentenmischungen durch Ärzte. In 3,5 Prozent der Fälle wurden Arzneikombinationen verschrieben, die schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können.

Dabei beeinflussen viele Medikamente nicht nur einander, sondern in Kombination können sie Nebenwirkungen auslösen, die zu neuen Symptomen führen. Dies können von Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen bis zu Organschäden reichen. Einige Medikamentencocktails können sogar zum Herzinfarkt führen. Die Hälfte aller Medikamentenneben- und Wechselwirkungen führen dazu, dass Patienten in Krankenhäusern behandelt werden müssen.

Apotheker empfehlen Patienten daher, einen Medikamentenpass zu führen und bei sich zu tragen. So können die fatalen Folgen von Medikamenten-Wechselwirkungen vermieden oder erheblich reduziert werden. Denn ohne den Informationsaustausch zwischen Patient, Arzt und Apotheker kann der Überblick nicht gewahrt werden. (09)

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


3 Kommentare zu "Ältere Menschen erhalten oft einen gefährlichen Medikamentencocktail"

  1. das ist doch genial für das „System“…..ein Leben lang einzahlen und mit 65 sterben ohne dem Rentensystem zur Last zu fallen!!
    So ist es nun einmal…wer keine Verantwortung für sich selbst übernimmt, hat verkackt!

  2. Volker Schulz | 9. Juli 2018 um 18:39 | Antworten

    Manche Ärzte wissen nicht, was sie tun. Ich brachte meine Großmutter in ein Heim, es ging nicht mehr anders. Sie war quietschmunter, aber die Demenz ließ keine andere Wahl. Ich verabschiedete mich von ihr. Kaum war ich weg, kam der Heimarzt und erhöhte die Dosierung eines entwässernden Medikaments, das sie schon seit Jahren vom Hausarzt verschrieben bekommen hatte und ich ihr regelmäßig verabreichte, ganz massiv. Ich war zwei Stunden zu Hause, da kam der Anruf: Ihre Großmutter ist leider verstorben.

  3. Dieter Kniese | 10. Juli 2018 um 11:34 | Antworten

    Sozialverträgliches Frühableben – so nennt man das.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*