Bundesregierung: Sparwahn im Gesundheitswesen bringt Menschen in Lebensgefahr

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Überlastete Ärzte sagen: „Erst muss jemand sterben, bevor sich das System ändert“. Denn das Arbeitspensum vieler Ärzte ist kaum noch zu bewältigen, berichtet der „Spiegel“. Dennoch schreiben Ärzte ihre Überstunden selten auf und streiken kaum.

So berichtet eine Notfallärztin, dass ein Mann mit einem Wespenstich, der hochgradig allergisch reagierte und keine Luft mehr bekam, sofort behandelt werden musste, damit er nicht erstickt. Er wurde beatmet und bekam einen venösen Zugang für ein starkes Medikament gelegt. Wäre in diesem Moment ein zweiter Notfallpatient in einer ähnlichen Lage gekommen, hätte er das nicht überlebt, meint die Ärztin .

Ärzte sind sauer auf das Gesundheitssystem und den Sparwahn im Bereich der Krankenhäuser. Ärzte und Pfleger leiden unter der permanenten Unterbesetzung in den Teams, woraus sich wiederum 24-Stunden-Dienste ergeben würden. Dann seien sie verantwortlich für gleich vier Stationen sowie die fast nicht mehr zählbaren Patienten. Dementsprechend litten sie unter der Angst, dass Patienten wegen dieses Mangels an Zeit und der permanenten Überforderung des Personals sogar ableben würden.

Selbst nach dem 24-Stunden-Dienst müssen viele Ärzte noch weiterarbeiten, heißt es. Dazu zählten die Visite, die Versorgung von schwer kranken Patienten sowie das Abfassen von Schreiben, also bürokratische Dienste. Überstunden werden nicht bezahlt, sondern müssen „abgefeiert“ werden, was selbstredend bei dem Personalmangel nicht möglich ist. „Erst muss jemand sterben, bevor sich das System ändert“, beklagen die Ärzte.

Eine Online-Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass viele Ärzte mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden sind. Sie klagen über zu wenig Pausen, zu wenig Personal und zu viel Zeit, die für Verwaltung und Dokumentation draufgeht. 35 Prozent der Befragten gab an, zehn Überstunden pro Woche zu leisten. Auch eine Umfrage des Marburger Bundes ergab ähnliche Ergebnisse.

In beiden Umfragen klagen Ärzte auch über den wirtschaftlichen Druck in Krankenhäusern.. Dies sei dementsprechend Fließbandarbeit. Eine Ursache ist die sogenannte Fallpauschale, die vor gut 14 Jahren eingeführt worden war. Damit werden Patienten zu Fällen. Krankenhäuser sind demnach nun „Unternehmen“, die für jeden Fall, also die Behandlung sowie den Aufenthalt im Haus eine bestimmte Summe erhalten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, möglichst viel zu operieren.

Die Zahl der Patienten ist in den vergangenen zwanzig Jahren um fast vier Millionen pro Jahr angestiegen. Für die Betreuung von Patienten und Angehörigen bleibe kaum mehr genug Zeit. Ebenso wenig für Weiterbildungen oder für die Familie. Ärzte berichten immer wieder von Phasen im Krankenhaus, in denen sie 25 Stunden am Stück arbeiten und nach nur drei Stunden Schlaf wieder weiterarbeiten. Zudem sehen Krankenhäuser es scheinbar nicht vor, neue Ärzte und Kollegen sorgfältig einzuarbeiten.

So werden Ärzte nach Angaben des „Spiegel“ dann „einfach ins kalte Wasser geworfen“ und „nach wenigen Tagen mit schwer kranken Patienten allein auf Station“ gelassen. Sie wüssten in vielen Fällen noch nicht einmal, wann Medikamente verabreicht werden müssten oder in welchen Intervallen. Deshalb würden sie lediglich hoffen, es möge sich am Zustand nichts verändert, vor allem nicht verschlechtern. Die stetige Unterbesetzung auf den Stationen wäre demnach die schwerste Last. So wird resümiert, dass eines Tages das Gesundheitssystem in Deutschland noch vollständig zusammenbreche, wenn die Regierung nicht endlich mehr Geld ausgebe.

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