Jens Spahn will mehr Patientenkontrolle – Therapeuten wehren sich

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Gesundheitsminister Jens Spahn hat ein neues Vorhaben: Künftig sollen sich psychisch Kranke von speziell ausgebildeten Experten voruntersuchen lassen, bevor sie zum Psychotherapeuten gehen dürfen. Diese sollen dann entscheiden, wer eine Psychotherapie bekommt und wer nicht. Jens Spahn erntete mit seinem Vorschlag erneut einen Proteststurm.

Im Schnitt müssen Menschen, die psychische Probleme haben, fünf Monate auf einen Therapieplatz warten. Auf dem Land sind die Wartezeiten noch viel länger. Dort gibt es deutlich weniger Psychotherapeuten, als in den Städten. 40 Prozent der Betroffenen erhalten lange Zeit gar keinen Therapieplatz. Die Bedarfsplanung wurde vor rund 20 Jahren aufgestellt und seitdem nicht aktualisiert. Sie ist nicht mehr bedarfsgerecht. Deshalb können psychisch Kranke häufig nicht einmal eine Akutsprechstunde bei einem Therapeuten ihrer Wahl wahrnehmen.

Deshalb sollen psychisch Kranke zunächst von Experten voruntersucht werden. Sie sollen keinen Arzt mehr selbst aussuchen dürfen, so Spahn. Die Experten sollen darüber entscheiden, ob und welcher Bedarf an einer Therapie besteht. Ein sogenanntes Terminservice und Versorgungsgesetz (TSV) soll dann die Vergabe von Psychotherapieplätze neu regeln und für schneller Behandlungen sorgen. Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzte und die Länderkammer sehen große Probleme mit Spahns Vorschlag entstehen. Fast 150.000 haben bereits eine Petition unterzeichnet, die die Pläne Spahns kippen sollen.

Die Kritiker sind der Ansicht, dass für psychisch kranke Menschen eine zusätzliche Hürde aufgebaut werde und der Zugang zu einer Psychotherapie eher noch erschwert werde. Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung schrieb sogar einen Protestbrief: „Dann würden „Experten“ und nicht etwa die später Behandelnden in Voruntersuchungen festlegen, zu welcher Therapie der Betroffene gehen dürfe. Dies würde eine erhebliche Verschlechterung und Belastung für die betroffenen Patienten bedeuten“.

Über 16 Prozent aller Krankheitsfälle in Deutschland gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Sie stehen damit an zweiter Stelle. Zudem leiden Betroffene an einer Stigmatisierung. Betroffene sagen, wenn sie jetzt in einer Voruntersuchung auch noch „beweisen müssten“, dass sie krank sind, würden sie die den Gang zum Therapeuten wahrscheinlich wieder überdenken. Zudem sei es anstrengend, jedes Mal wieder neu erklären zu müssen, weshalb man Hilfe brauche.

Spahns Gesetzentwurf entmündigt und diskriminiert Menschen mit psychischen Problemen. Viele Patienten gehen gezielt zu Therapeuten, weil sie ihnen empfohlen wurden oder weil ihnen die Homepage zugesagt hat. Es gibt also beim ersten Treffen bereits ein gewissen Grundvertrauen. Geht es nach Spahn, müssen Patienten einem Experten glaubhaft machen, dass sie tatsächlich Hilfe brauchen – und das innerhalb kürzester Zeit. Da bleibt keine Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen.

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