„Kampf um die Ozeane“ – Die gnadenlose Jagd der Industriestaaten nach den Bodenschätzen!

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Macht, Gier & Geld – sie machen auch vor dem Erbe der Menschheit nicht halt: den Weltmeeren. Eigentlich darf kein Staat sie sein eigen nennen. Und doch ist schon längst ein Kampf um die Ozeane mit den reichhaltigen Bodenschätzen entbrannt. Sie werden auf rund 22 Billionen Euro geschätzt.

Schätze aus marinen Edelmetallen

Auf den Meeresböden schlummern Millionen Tonnen polymetallische Sulfide, die Zink, Kupfer, Blei, Gold und Silber sowie Spurenelemente (Indium, Seltene Erden, Germanium, Gallium) enthalten. Auch Eisen, Nickel und Titan sind in der Tiefsee zu finden.

Diese Schätze werden für die Industriestaaten immer wichtiger. Der Grund hierfür ist einfach: Inzwischen sind in den Küstenmeeren die meisten Öl- und Gaslagerstätten ausgebeutet. Um also neue fossile Rohstoff-Vorkommen zu finden, dringen die Industriestaaten samt den Energiekonzernen immer weiter und tiefer in den Pazifik, Atlantik und Indik, dem Indischen Ozean, vor.

Aber wem gehören die Ozeane mit ihren Reichtümern, die zumeist erst noch gefördert werden müssen, überhaupt?

Die Ozeane gehören uns allen!

Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Weltmeere sind ein Erbe der Menschheit. Also gehören sie uns allen. Das Völkerrecht definiert das klipp und klar (laut Artikel 136 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen). Demnach dürfen sich weder ein Staat noch eine Person die Hohe See (jene Gebiete, die jenseits einer Grenze liegen) aneignen und zum Eigentum erklären.

Bereits vor über zwei Jahrzehnten unterzeichneten 160 Staaten die „Verfassung der Meere“, die 1994 in Kraft trat. Diese regelt die komplette Meeresnutzung (Forschung, Umweltschutz, Schifffahrt, Fischfang etc.). Dabei wurden die Ozeane in drei Zonen katalogisiert:

  1. Küstenmeer: Das jeweilige Küstenmeer erstreckt sich bis zu zwölf Seemeilen und gehört zum Hoheitsgebiet des jeweiligen Staates, in dem Nationales Recht gilt.
  1. Ausschließliche Wirtschaftszone: Die sogenannte AWZ reicht bis zu 200 nautischen Meilen seewärts. In diesem territorialen Niemandsland dürfen nur die Küstenstaaten Fischfang betreiben, Windenergieanlagen bauen oder Ölplattformen errichten. Drittstaaten hingegen ist es in dieser Zone gestattet, Schifffahrt zu betreiben und unterseeische Kabel oder Rohrleitungen zu verlegen.
  1. Hochsee: Jenseits der AWZ beginnt die Hohe See (Hochsee), die eigentlich allen Staaten offensteht. Dennoch: Längst stecken die Industriestaaten ihre Claims ab. Sobald diese verteilt und die Hoheitsansprüche geklärt sind, wird die Hochsee von bislang 64 Prozent (die sie von den Ozeanen einnimmt) auf 50 Prozent schrumpfen. Oder anders ausgedrückt: Die Hälfte liegt dann unter staatlicher Kontrolle. Von wegen also „Erbe der Menschheit“, das „uns allen“ gehört!

Kontrolle durch die Meeresbodenbehörde

Um die Industriestaaten zu kontrollieren, damit sie verantwortlich mit den Ozeanen umgehen, wacht seit 1994 die UN-Behörde International Seabed Authority (ISA) mit Sitz auf Jamaika darüber.

Die Meeresbodenbehörde vergibt beispielsweise Erkundungs- und Abbaulizenzen und gibt Schutzzonen vor. Dafür verlangt sie den Erhalt der marinen Umwelt sowie eine gerechte Gewinnverteilung. Konkret sollen auch Entwicklungsländer daran beteiligt werden.

So „tricksen“ die Nationen für wirtschaftlichen Gewinn und politische Macht

Wie bereits erwähnt, finden sich auf dem Grund der Tiefsee immense Bodenschätze. Und diese sollen eben nicht verteilt werden! So sehen gleich mehrere Nationen etwa den Nordpol und große Teile des arktischen Ozeans als ihr Hoheitsgebiet: Russland, Dänemark, Norwegen und Kanada.

Russland beantragt eine Verlängerung des nordsibirischen Festlands unter dem Eis mit einer Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern. Damit hätte es Zugang zu rund 5 Milliarden Tonnen fossiler Brennstoffe. Dänemark hingegen erklärt, dass dieses Gebiet geografisch mit dem autonomen Grönland verbunden ist und daher Kopenhagen zusteht. Und Kanada und Norwegen wollen die Arktis gleich gar unter den Anrainern (zu denen sie natürlich gehören) aufteilen.

Ade internationales Gewässer kann ich da nur sagen!

Ende März 2017 nahm der russische Präsident Wladimir Putin an einer Plenarsitzung des Internationalen Arktis-Forums in Archangelsk teil. Ebenso wie der Finnlands Präsident Sauli Niinistö und Islands Staatsoberhaupt Gudni Johannesson. Dabei wurden Investitionsmöglichkeiten, die sozioökonomische Entwicklung der arktischen Regionen und die gemeinsamen Entdeckungen sowie die effektive Nutzung des reichen Ressourcenpotenzials der Arktis behandelt.

Der Nordpol ist gerade für die Industrienationen unglaublich wichtig. Es wird vermutet, dass in der Arktis mehr Ölvorkommen als in Saudi Arabien lagern, sowie 25 Prozent der weltweiten Gaslager.

Natürlich gehen diese tatsächlichen oder scheinbaren Ansprüche verschiedener Staaten auf die Arktis nur mit „Tricksereien“.

Und zwar so: Laut Völkerrecht dürfen die Länder ihre Wirtschaftszonen nämlich dann auf 350 Meilen ausweiten, wenn ihr „Festlandssockel“ (Schelf) über 200 Meilen hinausreicht. Der Begriff meint den randlichen Bereich eines Kontinents, der von Meer bedeckt ist. In diesem biologisch hochproduktiven Schelfmeer, das sehr reich an verschiedenen Tier- und Pflanzenarten ist, befinden sich auch viele Fischarten.

China hat noch einen anderen Trick auf Lager: Im südchinesischen Meer schüttet das Riesenreich einfach künstliche Inseln auf! Mit diesen neu entstehenden Riffen will es dann die eigene Wirtschaftszone ausbauen. Doch 2016 urteilte das UN-Schiedsgericht in Den Haag, dass diese neuen Hoheitsansprüche unberechtigt seien. Peking jedoch akzeptiert die Entscheidung nicht…

Deutschlands „neue Kolonien“ auf dem Meeresgrund

Natürlich werden Sie sich jetzt fragen, ob auch Deutschland beim Kampf um die Ozeane mitmischt? Tatsächlich ist es so!

800 Meilen südöstlich von Mauritius, mitten im Indischen Ozean, liegt ein Gebiet, halb so groß wie Hessen und 3.000 Meter tief. Was garantiert 99 Prozent der Deutschen nicht wissen: Bereits im Mai 2015 hat Deutschland dieses 10.000 Quadratkilometer umfassende Gebiet erworben. Und das für läppische 500.000 US-Dollar. Eine neue Kolonie sozusagen. Nicht etwa auf einem Kontinent, sondern in der Hochsee. Hier sollen ebenfalls Millionen Tonnen polymetallischer Sulfide zu finden sein.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) darf 15 Jahre lang – also bis ins Jahr 2030 – dieses Gebiet exklusiv erkunden. Im Vertrag mit der ISA wurde auch das Vorrecht auf den Kauf einer Abbaulizenz vereinbart.

Doch nicht nur im Indischen Ozean, sondern auch im Pazifik gibt es ein Stück Deutschland. Zwischen Mexiko und Hawaii sucht die BGR auf 70.000 Quadratkilometern den Meeresboden ebenfalls nach fossilen Schätzen ab.

Krieg um die Meere und seine Folgen

Sie sehen also: Der Kampf um die Ozeane und die Jagd nach den Bodenschätzen ist voll im Gange. Dabei wird getrickst und getäuscht, das Recht ausgehebelt, um die eigenen Macht- und Gewinnansprüche durchzusetzen.

Fragt sich nur, ob die Umwelt unter diesem unbändigen Hunger nach Rohstoffen nicht noch mehr leiden wird. Denn bislang hat der Raubbau der Meere durch den Menschen nur Schlechtes gebracht: Leergefischte, ölverpestete und mit Plastik zugemüllte Gewässer.

Keine guten Aussichten für das Erbe der Menschheit.

Und damit – für uns alle!

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