+++ Schweizer Pharma-Konzerne: „Profite wie im Drogenhandel“ +++

Roche

Die beiden Schweizer Pharma-Konzerne, die zugleich zwei der größten Medikamentenhersteller weltweit sind, stehen unerwarteterweise unter Druck – wegen Medikamentenpreisen. Aktivisten und sogar Ärzte fordern von Roche und Novartis transparentere Preise. Sie kritisieren die Entstehung einer Zweiklassenmedizin, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Die beiden Konzerne in Basel gehören zu den mächtigsten und gleichzeitig gefährlichsten Branchen der Welt. Doch die Konzerne stehen seit Dienstag plötzlich unter Druck. Die Nichtregierungsorganisation Public Eye hat sich in den vergangenen Jahren damit befasst, Informationen über die größten Rohstoffhändler, Nahrungsmittelproduzenten und Kreditinstitute zu bekommen. Jetzt fordert die NGO, dass die Pharma-Konzerne ihre Medikamentenpreise senken und transparent machen sollen, wie die horrenden Preise für beispielsweise Krebstherapien und andere teure Therapien zustande kommen.

Die Aktivisten erhalten dabei Unterstützung von der schweizerischen Krebsliga sowie weiteren Ärzten, die die NGO unterstützen. Sie kritisieren, dass selbst in einem Land wie der Schweiz eine Zweiklassenmedizin entstehe. Nicht jeder könne sich derart teure Therapien leisten. Zudem würden sich viele Ärzte nicht trauen, diese teuren Therapien zu verschreiben. Die Politik, die ohnehin nichts gegen die Pharma-Kartelle ausrichten kann, könne zudem nicht sagen, wie hoch die Entwicklungskosten eines Medikaments tatsächlich waren und wie sich diese auf den Preis ausgewirkt hätten.

Die enormen Ausgaben für Medikamente belasten die Gesundheitssysteme vieler Länder. In Deutschland gibt es ein Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz, das die Preisfindung regelt. Im ersten Jahr können die Hersteller den Preis jedoch noch setzen. Doch gefällt der Preis so manchem Hersteller nicht, kann er das Medikament kurzerhand wieder vom Markt nehmen. Der Verband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen hat jedoch den Eindruck, dass das erste Jahr von Pharma-Konzernen strategisch für den Preis genutzt wird. Der GKV-Verband fordert daher: Der ausgehandelte Preis müsse rückwirkend ab dem Markteintritt gelten.

Die NGO Public Eye sieht besonders die Brustkrebsmedikamente von Roche kritisch. Sie vergleichen die Profite des Pharma-Konzerns mit denen von Drogenhändlern. Die teuren Medikamente seien inzwischen nicht nur noch ein Problem für Patienten in Entwicklungsländern. Selbst Kranke in der reichen Schweiz könnten sich die Medikamente kaum noch leisten.

Public Eye fordert deshalb die Politik auf, zur schärfsten Maßnahme zu greifen: Die Zwangslizenz. Sie verpflichtet Pharma-Konzerne, ihre Produkte sofort und ohne Patentschutz zur Verfügung zu stellen. Bislang wurde dieses Mittel, das Staaten durchaus zur Verfügung steht, nur sehr selten eingesetzt. Wahrscheinlich, weil Pharmakonzerne nicht nur zum mächtigsten, sondern auch gefährlichsten Kartell der Welt gehören.

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