UNGLAUBLICH: Deutsche Renten im Vergleich zu Europa ganz unten

RentenniveauEU

Die deutschen Renten sind in Europa mit am niedrigsten? Kaum vorstellbar. Es ist aber so. Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte im April 2013 eine Studie, die das relative Vermögen von Ländern untersuchte. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Deutschen statistisch gesehen das kleinste Vermögen im Euro-Raum haben.

Angesichts der vielen Milliarden Euro an Stabilisierungshilfen für Länder wie Griechenland, Portugal oder Zypern bergen solche Zahlen einiges an politischem Sprengstoff. Die EZB zögerte lange, bevor die Studie veröffentlicht wurde. Aus gutem Grund. Zudem wurde die Studie kritisiert, da sie die Rentenansprüche bei den Berechnungen nicht berücksichtigt habe.

Rentner erwartet 51% des Nettoeinkommens

Es stellt sich also berechtigterweise die Frage, wie es tatsächlich um die deutschen Renten im europäischen Vergleich steht. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte bereits 2011 Zahlen dazu veröffentlich. Demnach liegt das deutsche Rentenniveau deutlich unter dem Schnitt vieler Industriestaaten. Deutsche Rentner können künftig in Schnitt nur 51% des derzeitigen durchschnittlichen Nettoeinkommens erwarten.

Im OECD-Durchschnitt liegt das Rentenniveau bei 58%. Das durchschnittliche Verhältnis der Rente zum Einkommen in den OECD-Ländern beträgt 69% des Einkommens. Schlechter als in Deutschland sieht es nur in Mexiko, Chile, Großbritannien und Japan aus. Italienische Rentner haben eine Ersatzquote von 76%, die Spanier 84% und die Griechen 110% des Einkommens. Angesichts der Banken- und Schuldenkrise und der daraus resultierenden Haftungsrisiken für Deutschland ist diese Tatsache ein Skandal.

Frauen von Altersarmut stärker betroffen

Die OECD untersuchte 34 Indikatoren, unter anderem das Renteneintrittsalter oder das Armutsrisiko. Dabei landet Deutschland im unteren Mittelfeld. Auf den schlechtesten Wert aller OECD-Staaten kommt Deutschland bei der Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Sie liegt bei 46%. Die OECD-Experten kritisieren, dass Frauen in Deutschland wohl auch künftig niedrigere Renten als Männer erwirtschaften werden. Das liege an der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen sowie dem großen Teilzeitanteil bei Frauen. Daher sei das Altersarmutsrisiko für Frauen besonders hoch.

Wichtiges Kriterium der Studie ist die Rentenhöhe, die im Verhältnis zum Einkommen als Ersatzquote berechnet wird. Hier zeigt sich bereits das Problem: In anderen Ländern werden die Einkommen der fünf bis fünfzehn Jahre vor Renteneintritt als Berechnungsgrundlage für die Altersbezüge herangezogen. In Deutschland bestimmen die Einkünfte des gesamten Erwerbslebens die Höhe der Rentenansprüche. Naturgemäß wird in Richtung Rente mehr verdient und somit gibt es hier schon große Unterschiede durch die verschiedenen Berechnungsgrundlagen. Diese zu Ungunsten der deutschen Rentner.

Schon jetzt riesige Versorgungslücke

Die Unterversorgung der deutschen Renten war auch Gegenstand einer Studie der Ruhr-Universität in Bochum. Das Investmentunternehmen Fidelity hatte die Studie in Auftrag gegeben. Demnach sollen bereits 70% Ersatzquote als Rentenbezug für eine nur annähernde Sicherung des Lebensstandards als viel zu niedrig angesetzt sein. Realistisch gesehen, benötigten Rentner mindestens 87%, um einen sicheren Lebensstandard zu haben. Das bedeutet, dass derzeit im Durchschnitt schon jetzt 650 Euro monatlich an Rentenleistung fehlen. Zieht man die Zahlen der OECD Studie heran, ist die Differenz noch viel höher und die Verteilung innerhalb der EU-Mitgliedsländer dramatisch ungerecht.

Ungerechte Verteilung in der EU

Wer in Deutschland eine gesetzliche Rente ohne Abzüge erhalten will muss 45 Jahre lang gearbeitet haben. Auch hier schneidet Deutschland schlechter als andere EU-Länder ab. In Frankreich reichen schon 41 Jahre Arbeit, Italiener müssen nur 40 Jahre arbeiten und Spanier und Griechen sogar nur 35 Jahre, um die volle Rente zu erhalten. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass in Spanien und Griechenland aufgrund der Schuldenkrise das Renteneintrittsalter nach hinter verschoben wurde. Die Unterschiede zwischen den EU-Ländern sind auch beim Anteil der älteren Erwerbstätigen bemerkbar: In Deutschland gehen rund 60% der 55-64-Jährigen arbeiten, während es in Frankreich nur 41% sind und in Italien und Griechenland sogar weniger als 40%.

OECD: Keine Besserung für Deutschland in Sicht

Die OECD geht davon aus, dass es in Deutschland zu keiner Verbesserung der Rentensituation kommen wird, sollte es bei den besser gestellten europäischen Ländern keine drastischen Einschnitte geben. Die Versorgungslücke in Deutschland wird noch deutlicher angesichts der Tatsache, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bei 61,8 Jahren liegt.

Die regelmäßig von der Politik versprochenen Verbesserungen des gesetzlichen Rentensystems dürften angesichts der steigenden Altersarmut weiterhin in Frage gestellt werden. Die Tatsachen und Zustände in Deutschland sprechen für sich und können auch nicht mehr wegdiskutiert werden. Die aktuelle GroKo hat bislang kein Konzept vorgelegt, was sie gegen die zunehmende Altersarmut unternehmen will.

Wir die GroKo die bisherige Politik des Sparens weiter betreiben, kann es keinen wirtschaftlichen Aufschwung geben. Die Geldpolitik der EZB verschärft die Situation weiter. Die Rentenkassen können so nicht gestärkt werden. Ersparnisse schrumpfen durch die Nullzinspolitik dahin. Es ist davon auszugehen, dass der drohende und unausweichliche Schuldenschnitt die Guthaben in privaten Versicherungen und anderen Altersvorsorgemodellen massiv beinträchtigen oder sogar vernichten wird. Die Altersarmut ist vorprogrammiert.

Quellen:

https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/rentenvergleich-schlusslicht-deutschland-3168496

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum/ezb-umfrage-deutsche-sind-die-aermsten-im-euroraum-12142944.html

http://www.fondsprofessionell.de/upload/attach/1366808573.pdf

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