Wien macht vor, wie günstiges Wohnen in der Großstadt funktioniert

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Die Situation am Wohnungsmarkt ist in vielen Städten Deutschlands für viele zu einem existenziellen Problem geworden. An hochpreisigen Miet- und Eigentumswohnungen mangelt es nicht. Aber es gibt nicht genügend kleinere und leistbare Mietwohnungen. Doch das müsste nicht so sein. Es reicht nicht nur aus, dass Städte mehr Wohnungen bauen. Es müssen leistbare Wohnungen für Durchschnittsverdiener und Sozialwohnungen für sozial Schwache angeboten werden.

Sozialwissenschaftliche Studien sagen, dass nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens für Wohnen ausgegeben werden sollen. Miete darf kleine Einkommen nicht auffressen, sodass Niedriglohnempfänger gezwungen sind, Sozialhilfe zu beantragen. Wer bereits mehr als 30 Prozent des Einkommens für Wohnkosten ausgeben muss, hat nicht mehr genug für die Lebenshaltungskosten übrig. In Berlin beispielsweise hat eine Analyse mit Daten des Mikrozensus ergeben, dass bereits jeder fünfte Haushalt mehr als 40 Prozent seines Einkommens für Wohnkosten ausgeben muss, berichtet die „Berliner Zeitung“.

Um Wohnen bezahlen zu können, dürfen Wohnungen ohne Betriebskosten jedoch nicht mehr als vier oder fünf Euro pro Quadratmeter kosten. Mehr kann sich ein Haushalt, dem nur rund 1.000 Euro zur Verfügung steht, schlicht nicht leisten. Bei einem Verdienst von 1.000 Euro dürfte die Gesamtmiete nach der 30 Prozent Regel nicht 300 Euro übersteigen. Selbst der soziale Wohnungsbau übersteigt jedoch mit Einstiegsmieten von 6,50 pro Quadratmeter diese Zielgruppe.

In Österreich sieht das Bild anders aus. Dort gibt es soziale Wohnbau-Förderprogramme, die von gemeinnützigen Genossenschaften in Anspruch genommen werden. Bei den Förderprogrammen werden Zuschüsse und Darlehen gezahlt. Wenn die Förderphase nach 26 Jahren beendet ist, werden die Darlehen zurückgezahlt. In Berlin werden Wohnungen nach Ablauf der Förderphase jedoch dem öffentlichen Wohnungsmarkt übergeben. Die Vermieter passen dann die Preise dem Mietspiegel an oder erhöhen darüber hinaus.

In Wien läuft das anders. Nach Ablauf der Förderphase sinkt die Miete auf ein Niveau von knapp vier Euro pro Quadratmeter, ohne Betriebskosten. Das reicht aus, um Verwaltungs- oder Instandhaltungskosten zu bezahlen. Die Miete ist ausreichend, weil die Unternehmen gemeinnützig sind und einer Gewinnbeschränkung unterliegen. Das klingt unrealistisch, angesichts Durchschnittsmieten von zwölf Euro in Berlin. Ist es aber nicht, denn wohnwirtschaftlich gesehen, braucht man für eine abbezahlte Wohnung nicht mehr als vier Euro pro Quadratmeter. Dieses Denken fehlt leider bei den deutschen Wohnungsunternehmen komplett.

In Österreich funktioniert dieses System, weil die Gemeinnützigkeit nicht abgeschafft wurde. Diese Ziele sind auf Unternehmensebene festgelegt. Es gibt keine Diskussion darüber, dass man unlautere Überschüsse erzielen könnte. Denn bei jeder Prüfung muss nachgewiesen werden, dass man nur Geld eingenommen hat, das man für die reine Bewirtschaftung braucht. Das Prinzip der Gemeinnützigkeit müsste in Deutschland wieder eingeführt werden. Dann würde Wohnen nicht bald zum größten sozialen Problem des Landes werden.

Verhindert wird die Gemeinnützigkeit vom Bundestag. Die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen können nur dort festgesetzt werden. Auch die Wohnwirtschaft sträubt sich gegen die Einführung der Gemeinnützigkeit. Es liegt also in den Händen der Bundesregierung, ob Wohnen in Deutschland wieder leistbar wird, oder nicht.

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